{"id":1018,"date":"2022-07-06T08:00:00","date_gmt":"2022-07-06T06:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/ach-dasta.de\/zeitung\/?p=1018"},"modified":"2023-01-13T12:28:16","modified_gmt":"2023-01-13T10:28:16","slug":"seepferdchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ach-dasta.de\/zeitung\/blog\/seepferdchen\/","title":{"rendered":"Seepferdchen"},"content":{"rendered":"\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Seepferdchen<\/h1>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">von Leonie<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Drucker war unendlich langsam. Ein wenig ungeduldig verlagerte Anna Lehner ihr Gewicht von einem Bein auf das andere und verschr\u00e4nkte die Arme vor ihrer gestreiften Bluse. Die Zahl der zu verbleibenden Kopien sprang von f\u00fcnf auf vier und das n\u00e4chste Arbeitsblatt ruckte im Schneckentempo hervor. \u201eNa, streikt das Ding mal wieder?\u201c Als Anna sich umwandte, erblickte sie Martin Weimar, einen Sport- und Biologielehrer in ihrem Alter.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eEr funktioniert, aber wenn das so weiter geht, kann die Klasse die Wunder der Geburt erst heute Abend bestaunen\u201c, antwortete Anna. \u201eOhh\u201c, Martin beugte sich vor und sp\u00e4hte \u00fcber Annas Schulter auf die Arbeitsbl\u00e4tter im Druckerfach. \u201eDu bist also schon bei <strong>dem <\/strong>Thema\u201c. Er wackelte bedeutungsvoll mit den dunklen Brauen. \u201eMein Beileid. Wie schlimm ist es?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nur noch zwei Kopien. Anna zuckte mit den Achseln und l\u00e4chelte. \u201eIch kann nicht klagen. Es sind wirklich sehr aufmerksame und interessierte Kinder. Kaum ein <em>Ihh<\/em> oder ein verzogenes Gesicht.\u201c Martins Augenbrauen wanderten noch h\u00f6her. \u201eDas glaube ich dir nicht.\u201c Eine Kopie. \u201eMeine haben Tampons rot angemalt, unter den Wasserhahn gehalten und dann an die Wand geworfen.\u201c \u2013 \u201eTja\u201c, Anna beugte sich vor und griff nach ihren lauwarmen Arbeitsbl\u00e4ttern. \u201eDeshalb habe ich mich f\u00fcr das Grundschullehramt entschieden.\u201c Auf Martins gequ\u00e4ltes Gesicht hin verkniff sich Anna ein Grinsen und hob die freie Hand zum Abschied. \u201eViel Spa\u00df mit den Tampons!\u201c Martin nahm ihren Platz am Drucker ein, ehe er antwortete: \u201eErst wieder n\u00e4chsten Mittwoch, Lehner. Immerhin habe ich jetzt Zeit, mich mental auf alles m\u00f6gliche vorzubereiten.\u201c \u2013 \u201eDann gutes Gelingen!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Pausenglocke l\u00e4utete und w\u00e4hrend Martin Weimar hinter ihr den Drucker anfluchte, \u201eob er nicht mal ein bisschen hinne machen k\u00f6nnte\u201c, machte sich Anna auf ihren Weg durch den Flur, eine Treppe hinauf, dann die Fensterfront entlang und die n\u00e4chste Treppe hinunter in das Geb\u00e4ude der Klassen eins bis vier. Sch\u00fcler wuselten auf H\u00fcfth\u00f6he um sie herum, tobten die Stufen hoch und schlitterten auf den Fliesen. Anna machte sich nicht mal die M\u00fche, sie darauf hinzuweisen, dass Rennen in den G\u00e4ngen eigentlich nicht so gerne gesehen war und sie sich noch verletzen w\u00fcrden. Denn kaum, dass sie den Mund ge\u00f6ffnet h\u00e4tte, w\u00e4ren die betroffenen Rabauken eh schon l\u00e4ngst verschwunden.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-1a9244c7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/ach-dasta.de\/zeitung\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/Seepferdchen.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1022\" width=\"404\" height=\"404\" srcset=\"https:\/\/ach-dasta.de\/zeitung\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/Seepferdchen.png 480w, https:\/\/ach-dasta.de\/zeitung\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/Seepferdchen-300x300.png 300w, https:\/\/ach-dasta.de\/zeitung\/wp-content\/uploads\/2022\/07\/Seepferdchen-150x150.png 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 404px) 100vw, 404px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Illustration: Karoline Hummel<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Flure leerten sich, w\u00e4hrend Anna die Treppe in den zweiten Stock hochschritt und auf die erste T\u00fcr links zusteuerte. Durch die offene T\u00fcr h\u00f6rte sie den altbekannten und irgendwie auch liebgewonnenen Mischmasch aus hellem Lachen, lauten Schreien und Rufen. \u201eGibt mir meinen Stift zur\u00fcck! Tobiaaas!\u201c \u2013 \u201eGuck mal, Lena, die hat meine Mama mir geschenkt!\u201c \u2013 \u201eEne mene Miste\u2026\u201c<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kurz vor der T\u00fcr blieb Anna stehen, dr\u00fcckte den R\u00fccken durch und umfasste die Arbeitsbl\u00e4tter fester. Dann betrat sie den Klassenraum der 4b.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie \u00fcblich standen Paul, Severin, Jonas, Basti und Max vorne in ihrer kleinen Gruppe an der Tafel und verunstalteten sie mit ihren Kritzeleien. Es waren \u00fcberwiegend kleine Penisse und als die Jungs bemerkten, dass Anna den Raum betreten hatte, zogen sie sich kichernd zur\u00fcck. Nur Paul, der Vorlauteste der f\u00fcnf, wartete, bis Anna ihre Sachen neben dem Lehrertisch abgestellt hatte, ehe er mit einem frechen Grinsen auf die Tafel deutete: \u201eSchau mal, Frau Lehner, wir haben uns auf den Unterricht vorbereitet.\u201c Anna griff an dem blonden Jungen vorbei zur Tafel nach dem Schwamm und dr\u00fcckte ihn Paul in die Hand. \u201eDas sehe ich, Paul, ganz toll. Aber die Geschlechtsorgane haben wir letzte Woche durchgenommen.\u201c Sie machte eine auffordernde Handbewegung und w\u00e4hrend Paul zwar mit einem tragischen Gesichtsausdruck, aber immerhin ohne Murren sein Kunstwerk wieder von der Tafel wischte, deutete Anna auf ihre Arbeitsbl\u00e4tter. \u201eHeute besch\u00e4ftigen wir uns damit, wir ihr alle entstanden seid: Hat denn jemand schon eine Idee, wie das funktioniert?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine gute halbe Stunde sp\u00e4ter teilte Anna die Arbeitsbl\u00e4tter aus, auf denen im Querschnitt eine Frau zu sehen war, deren Bauch je nach Stadium der Entwicklung des Babys immer gr\u00f6\u00dfer wurde. Untendrunter waren Abbildungen des F\u00f6tus zu erkennen. \u201eSo\u201c, erhob Anna die Stimme, um die Aufmerksamkeit der Klasse wieder auf sich zu lenken, die ihr durch das Durchreichen der Bl\u00e4tter immer etwas abhanden kam. \u201eJetzt m\u00f6chte ich gerne, dass ihr euch die Bilder oben ganz genau anschaut und \u00fcberlegt, welche Art des Babys zu welchem Bauch der Mama passt. Und dann\u2026Ja, Severin?\u201c Der schm\u00e4chtige, braunhaarige Junge in der zweiten Reihe hatte die Hand gehoben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eFrau Lehner, auf dem Blatt fehlt was!\u201c Mit einem leichten Stirnrunzeln sah Anna auf ihr Arbeitsblatt herab. \u201eWas denn, Severin?\u201c Severin hielt das Blatt hoch und deutete nacheinander auf die Abbildungen der schwangeren Frau. \u201eDa ist nur eine Frau drauf, die ein Baby im Bauch hat. Hier fehlt aber noch ein Mann!\u201c Ein wenig irritiert sah Anna Severin an. \u201eNein Severin, der Mann hat, wenn die Frau schwanger ist, nichts mehr mit dem Baby zu tun. Das w\u00e4chst nur in der Mama.\u201c \u2013 \u201eNein!\u201c Anna konnte Severins heftigen und \u00fcberzeugten Widerspruch nicht einordnen \u2013 wollte er den Clown spielen? Doch seine Kumpels sahen ihn genauso verwirrt an. Eine leichte Ungeduld beschlich sie. Die Stunde dauerte nur noch f\u00fcnfzehn Minuten und sie wollte das Ergebnis des Blattes gerne noch vor dem Klingeln besprechen. \u201eSeverin\u201c, hob sie an, doch da meldete sich aus der ersten Reihe Charlene zu Wort: \u201eFrau Lehner, Severin denkt das bestimmt, weil er zwei Papas hat.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ach ja, dachte Anna. Stimmt! Auch, wenn sie bei den jeweiligen Elternabenden nur einen von Severins V\u00e4tern kennengelernt hatte, glaubte sie sich zu erinnern, seinen Partner beim letzten Klassenfest fl\u00fcchtig gesehen zu haben. Sie sah wieder zu Severin, der immer noch sein Blatt in die H\u00f6he hielt. Wie weit seine V\u00e4ter ihn wohl schon aufgekl\u00e4rt hatten? Wusste er, dass er wahrscheinlich von einer Leihmutter zur Welt gebracht worden war? War sie die richtige Person, ihm das zu sagen? Nein. Bildungsauftrag hin oder her \u2013 das war etwas sehr privates. \u201eSeverin\u201c, hob sie z\u00f6gernd an. \u201eWollen wir da vielleicht nach der Stunde dr\u00fcber sprechen?\u201c \u2013 \u201eWieso?\u201c Severin legte sein Blatt wieder auf den Tisch. \u201eEs ist doch f\u00fcr alle wichtig zu wissen, dass auf deinem Arbeitsblatt was fehlt. Es k\u00f6nnen n\u00e4mlich nicht nur Mamas Babys bekommen! Ich bin in meinem Papa gewachsen!\u201c Ein Murmeln erhob sich im Klassenraum. \u201eWas, echt?\u201c, rief Paul und Charlene meinte: \u201eDas geht doch gar nicht, Severin.\u201c \u2013 \u201eDoch, klar!\u201c Severin verschr\u00e4nkte die Arme vor der Brust. \u201eFrau Lehner, Severin soll nicht l\u00fcgen!\u201c, sagte Charlene und Severin deutete prompt mit dem Finger auf sie. \u201eIch l\u00fcge nicht!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eRuhe, bitte!\u201c Anna hatte ihre Gedanken geordnet und hob nun beide H\u00e4nde. \u201eHallo? Jetzt werden wir wieder ein bisschen leiser! Tobias! Jonas! Und auch du Charlene \u2013 gut. Severin\u201c, sie wandte sich direkt an den braunhaarigen Jungen, dessen dunkle Augen ein wenig trotzig funkelten. \u201eIch l\u00fcge nicht\u201c, fiel er ihr schnell ins Wort. \u201eUnd ich mache auch keinen Quatsch! Ich kann es euch erkl\u00e4ren: Mein Papa \u2013 Jens \u2013 dem ist, als er klein war, was ganz doofes passiert. Er ist n\u00e4mlich in einem M\u00e4dchenk\u00f6rper gewesen.\u201c &#8211; \u201eWie geht das denn?\u201c, fragte Basti. \u201eNaja\u201c, sagte Severin und zuckte mit den Achseln, \u201eer war ein Junge, schon immer, aber sein K\u00f6rper war der von einem M\u00e4dchen. Und das war ganz schrecklich f\u00fcr ihn.\u201c \u2013 \u201eDas verstehe ich nicht\u201c, qu\u00e4kte Tobias. \u201eStell dir vor, du bist ein Junge, ja?\u201c, antwortete Severin. \u201eBin ich doch!\u201c, sagte Tobias. \u201eJa, aber stell dir vor, du hast keinen Pimmel, \u00e4h, Penis\u201c, Severins Blick huschte kurz zu Anna, die ihm einfach nur auffordernd zunickte, er solle weiterreden. Langsam verstand Anna, in welche Richtung Severins Erkl\u00e4rung ging. Und sie war ehrlich gesagt einerseits ein wenig \u00fcberrumpelt \u2013 niemand im Lehramtsstudium hatte sie auf so eine Situation vorbereitet. Und jetzt war sie hier. Ein wenig sprachlos &#8211; aber im positiven Sinne, w\u00e4hrend Severin fortfuhr: \u201eSondern eine Vage, \u00e4h, Vagina. Und wenn du in die Pubert\u00e4t kommst, kriegst du Br\u00fcste. Und du darfst kein Fu\u00dfball spielen und alle erwarten von dir, dass du Rosa und Puppen magst und deine Stimme ist ganz hoch und deine Haare m\u00fcssen lang sein, aber eigentlich m\u00f6chtest du sie kurz haben und einfach der Junge sein, der du bist. Aber niemand versteht dich oder manche glauben dir nicht. Und du denkst, du musst jetzt f\u00fcr immer in einem M\u00e4dchenk\u00f6rper sein, obwohl du ein Junge bist.\u201c Tobias hatte Runzeln auf der Stirn bekommen und verzog nun das runde Gesicht. \u201eDas ist ja \u00e4tzend.\u201c \u2013 \u201eGenau!\u201c \u2013 \u201eUnd so ging es deinem Papa, Severin?\u201c, fragte Lena. Severin nickte. \u201eJa, aber er hat es irgendwann seinen Eltern gesagt und die haben ihm zum Gl\u00fcck geglaubt. Und dann durfte er anfangen, zu sein, wie ein Junge. Er hat Spritzen bekommen, die ihm zum Jungen machen und er nimmt sie heute immer noch. Aber eine Sache hat er nicht zu der von einem Jungen machen lassen. Seine Vagina&nbsp; &#8211; die hat er immer noch. Und auch eine \u00e4h\u201c, er schielte auf das Arbeitsblatt, \u201eeine Geb\u00e4rmutter.\u201c \u2013 \u201eWarum hat er das nicht zu einem Pimmel machen lassen?\u201c, fragte Paul. \u201eIst man ohne Pimmel ein richtiger Junge?\u201c \u2013 \u201eKlar! Du kennst doch meinen Papa\u201c, sagte Severin und sah seinen Freund an. \u201eDer ist ein Mann. Auch ohne Pimmel.\u201c Paul kr\u00e4uselte die Stirn. \u201eJa, stimmt. Ich meine, wenn man einen Unfall hat und sich den Pimmel einquetscht und er dann abf\u00e4llt, ist man ja auch noch ein Mann.\u201c \u2013 \u201eIhh!\u201c, rief Charlene. \u201eBei was f\u00fcr einem Unfall sollte das denn passieren?\u201c, kicherte Basti und der Lautst\u00e4rkepegel in der Klasse, die in den letzten Minuten gebannt Severins Erkl\u00e4rung gelauscht hatte, stieg wieder an. Anna l\u00f6ste ihre Arme von ihrem K\u00f6rper und klatschte zweimal in die H\u00e4nde. \u201eHey, wollen wir bitte Severins Geschichte noch zu Ende h\u00f6ren?\u201c Sie unterdr\u00fcckte ein leichtes Schnauben, als sie fortfuhr: \u201eIhr k\u00f6nnt euch nach der Stunde weiter \u00fcber Penis-Unf\u00e4lle unterhalten.\u201c Langsam erstarben die Kicherer und Severin drehte sich auf seinem Stuhl wieder zur Klasse um. \u201eAuf jeden Fall hat mein Papa seine Geb\u00e4rmutter behalten, damit er eben ein Kind wie mich haben kann. Mit meinem Vati zusammen. Damit das funktionieren kann, wie bei einer Frau und einem Mann. Und das hat auch funktioniert, zwar ein bisschen kompliziert, mit einem Labor und so, aber ich wurde \u2013 gezeugt und dann ist mein Papa schwanger geworden und hat mich auf die Welt gebracht.\u201c \u2013 \u201eKrass\u201c, fl\u00fcsterte Jonas. \u201eEinfach die Biologie ausgetrickst.\u201c Severins Gesicht gl\u00fchte vor Stolz. \u201eGanz genau. Ich bin etwas Besonderes! Genau wie mein Papa. Er sagt immer, er ist wie ein Seepferdchen. Da tragen n\u00e4mlich auch die Papas die Babys.\u201c \u2013 \u201eDas stimmt!\u201c, rief Charlene. \u201eDas habe ich im Aquarium gesehen.\u201c \u2013 \u201eAlter\u201c, rief Paul und schlug Severin auf die Schultern. \u201eDann bist du ja ein halber Fisch!\u201c Die Klasse fing wieder an zu quasseln, w\u00e4hrend Anna am Lehrerpult lehnte und Severin ansah. Ein L\u00e4cheln zupfte an ihren Mundwinkeln. \u00dcberall wurde um den Sexualkundeunterricht herumget\u00e4nzelt. Wie viel d\u00fcrfen die Kinder wissen, ist das ihnen nicht peinlich, zu fr\u00fch, zu detailliert? Aber Kinder waren so viel aufnahmef\u00e4higer, als die Erwachsenen es ihnen zutrauten. Klar, einige von ihnen malten Tampons an und warfen sie an die Wand. Aber wenn es um etwas ernstes ging, dann h\u00f6rten sie zu. Und nahmen an. Verurteilten nicht. Severin war das biologische Kind von zwei M\u00e4nnern? Cool! Wie ein Seepferdchen! Ende der Geschichte. Annas Herz wurde ganz warm, als sie ihre Klasse betrachtete. Diese Kinder waren die Zukunft. Und zu sehen, wie sie nun Severin umringten, dessen Gesicht leuchtete, gab ihr Hoffnung. Hoffnung, auf eine tolerante, neue Generation.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Glocke klingelte und beendete die Stunde. Anna klatschte noch einmal in die H\u00e4nde. \u201eDanke, Severin, dass du uns deine Geschichte erz\u00e4hlt hast. Du hattest recht, das war wirklich wichtig f\u00fcr alle zu h\u00f6ren. Du hast selbst mir etwas beigebracht, was ich so nicht im Kopf hatte.\u201c An der Stelle schlug Paul Severin noch einmal auf die Schulter und Basti johlte: \u201eDu wusstest was, was Frau Lehner nicht wusste!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Anna neigte l\u00e4chelnd den Kopf. \u201eJa, das stimmt. Aber jetzt bin ich mir bewusst, dass ich das Arbeitsblatt nochmal \u00e4ndern muss. Sammelt ihr sie bitte ein und gebt sie hier vorne bei mir ab? N\u00e4chste Woche bekommt ihr dann das richtige.\u201c St\u00fchle wurden zur\u00fcckgeschoben, Taschen gepackt und Arbeitsbl\u00e4tter zusammengeschoben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach und nach leerte sich der Raum und die Arbeitsbl\u00e4tter mit der schwangeren Frau stapelten sich wieder auf Annas Pult. \u201eFrau Lehner?\u201c Severin hatte auf dem Weg nach drau\u00dfen vor dem Lehrertisch angehalten, seine Freunde warteten in der T\u00fcr. Seine Wangen waren ger\u00f6tet und seine Augen gl\u00e4nzten. \u201eJa, Severin?\u201c Severin umklammerte die Tr\u00e4ger seines Rucksacks und schluckte zweimal. \u201eDanke, dass ich die Geschichte von meinem Papa erz\u00e4hlen durfte.\u201c Er blinzelte schnell und in Annas Herz zog es, als sie sah, wie nah der Junge an den Tr\u00e4nen war. \u201eIch \u2013 ich habe das noch nicht oft jemandem gesagt, weil es eben schon anders ist, als wie andere Kinder auf die Welt kommen. Aber meine Papas sagen, ich soll stolz darauf sein, wer ich bin. Und das bin ich auch! Ich bin auch stolz auf sie. Sie haben sich so lieb und trotzdem gibt es doofe Leute, die \u2013 die denken, ich sollte nicht ihr Kind sein. Aber ich bin froh, ihr Kind zu sein.\u201c Er l\u00e4chelte und zog die Nase hoch. Anna l\u00e4chelte zur\u00fcck und beugte die Knie, um mit ihrem Sch\u00fcler auf Augenh\u00f6he zu sein. \u201eDas kannst du auch sein. Sag deinen Papas einen lieben Gru\u00df von mir \u2013 ich bin sehr dankbar, dass du in meiner Klasse bist und mich heute auf etwas so wichtiges aufmerksam gemacht hast. Ich wei\u00df nicht, wie schnell man so etwas allgemein \u00e4ndern kann \u2013 du hast recht, es sind leider nicht alle so selbstverst\u00e4ndlich wie du und deine Freunde \u2013 aber ich m\u00f6chte daf\u00fcr sorgen, dass Menschen wie dein Vater ihren Platz in meinem Biologieunterricht bekommen.\u201c Severins Augen leuchteten auf. \u201eDanke, Frau Lehner!\u201c \u2013 \u201eNichts zu danken. Und jetzt ab nach Hause.\u201c \u2013 \u201eJa, komm, Seepferdchen!\u201c Paul klopfte gegen die T\u00fcr. Anna sah schnell zu Severin, ob dieser Spitzname in Ordnung f\u00fcr ihn war, oder nicht, aber der Junge grinste und schulterte seine Tasche. \u201eTsch\u00fcss, Frau Lehner!\u201c Die Gruppe winkte und verschwand l\u00e4rmend im Gang. Stille setzte ein und Anna schloss kurz die Augen. Was f\u00fcr eine Stunde. Aber genau f\u00fcr solche Momente, dachte sie, bin ich Lehrerin geworden. Nicht nur, um zu lehren. Sondern auch, um von den Kindern etwas zu lernen. Kindern wie Severin. Und ihren V\u00e4tern. Sie wollte ihr Versprechen wahr machen. Sie wusste zwar noch nicht wie, aber sie w\u00fcrde schwangere Transm\u00e4nner zu ihrem Unterrichtsmaterial hinzuf\u00fcgen \u2013 und wenn sie selbst ihre grottigen Zeichenk\u00fcnste auspacken und sie eigenh\u00e4ndig auf das Blatt dazu malen m\u00fcsste. Aber sie hatte eine kleine Hoffnung, dass in ein paar Jahren, das nicht mehr n\u00f6tig war. Dass es einen Wandel geben w\u00fcrde und sie Teil des allgemeinen Lehrplans waren: Seepferdchen-V\u00e4ter. Und Seepferdchen-Kinder.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:100px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-text-color has-neve-link-color-color has-alpha-channel-opacity has-neve-link-color-background-color has-background is-style-dots\"\/>\n\n\n\n<div style=\"height:100px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n<ul class=\"wp-block-latest-posts__list is-grid has-dates wp-block-latest-posts is-layout-flow wp-block-latest-posts-is-layout-flow\"><li><div class=\"wp-block-latest-posts__featured-image\"><a href=\"https:\/\/ach-dasta.de\/zeitung\/blog\/taxiteller-adorno-schlussverkauf-bildung-konferenz-in-oer-erkenschwick\/\" aria-label=\"Taxiteller &amp; Adorno: Schlussverkauf Bildung Konferenz in Oer-Erkenschwick\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"819\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/ach-dasta.de\/zeitung\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/DSCF6196-819x1024.jpg\" class=\"attachment-large size-large wp-post-image\" alt=\"\" style=\"\" srcset=\"https:\/\/ach-dasta.de\/zeitung\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/DSCF6196-819x1024.jpg 819w, https:\/\/ach-dasta.de\/zeitung\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/DSCF6196-240x300.jpg 240w, https:\/\/ach-dasta.de\/zeitung\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/DSCF6196-768x960.jpg 768w, https:\/\/ach-dasta.de\/zeitung\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/DSCF6196-1228x1536.jpg 1228w, https:\/\/ach-dasta.de\/zeitung\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/DSCF6196.jpg 1250w\" sizes=\"auto, (max-width: 819px) 100vw, 819px\" \/><\/a><\/div><a class=\"wp-block-latest-posts__post-title\" href=\"https:\/\/ach-dasta.de\/zeitung\/blog\/taxiteller-adorno-schlussverkauf-bildung-konferenz-in-oer-erkenschwick\/\">Taxiteller &amp; Adorno: Schlussverkauf Bildung Konferenz in Oer-Erkenschwick<\/a><time datetime=\"2026-03-25T20:00:00+02:00\" class=\"wp-block-latest-posts__post-date\">25. 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Die Idee dahinter ist, die vielen dezentralen K\u00e4mpfe an einzelnen Hochschulen sichtbar zu machen und zu b\u00fcndeln.<\/div><\/li>\n<li><div class=\"wp-block-latest-posts__featured-image\"><a href=\"https:\/\/ach-dasta.de\/zeitung\/blog\/wild-sein-wild-bleiben\/\" aria-label=\"Wild sein, wild bleiben?\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/ach-dasta.de\/zeitung\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/DSCF2460-1024x768.jpg\" class=\"attachment-large size-large wp-post-image\" alt=\"\" style=\"\" srcset=\"https:\/\/ach-dasta.de\/zeitung\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/DSCF2460-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/ach-dasta.de\/zeitung\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/DSCF2460-300x225.jpg 300w, https:\/\/ach-dasta.de\/zeitung\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/DSCF2460-768x576.jpg 768w, https:\/\/ach-dasta.de\/zeitung\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/DSCF2460.jpg 1250w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/div><a class=\"wp-block-latest-posts__post-title\" href=\"https:\/\/ach-dasta.de\/zeitung\/blog\/wild-sein-wild-bleiben\/\">Wild sein, wild bleiben?<\/a><time datetime=\"2026-03-18T20:00:00+02:00\" class=\"wp-block-latest-posts__post-date\">18. M\u00e4rz 2026<\/time><div class=\"wp-block-latest-posts__post-excerpt\">Von einer quirligen Rasselbande und \u201eIgitt, Kotz und B\u00e4h &#8211; M\u00e4dchen, die stinken\u201d zu Vampiren hinter dem Horizont, von denen die Wilden Kerle, wie bei der RTL-Show Take Me Out, jeweils ein Chick mit nache Hause nehmen. Let\u2019s rewatch und zur\u00fcck zum Anfang.<\/div><\/li>\n<li><div class=\"wp-block-latest-posts__featured-image\"><a href=\"https:\/\/ach-dasta.de\/zeitung\/blog\/ikkimel-vs-coach-aaron-erste-lektion-selbstermaechtigung\/\" aria-label=\"Ikkimel vs. Coach Aaron: Erste Lektion Selbsterm\u00e4chtigung\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/ach-dasta.de\/zeitung\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Ikkimel_c_LaurentNoichl-1-1024x768.jpg\" class=\"attachment-large size-large wp-post-image\" alt=\"\" style=\"\" srcset=\"https:\/\/ach-dasta.de\/zeitung\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Ikkimel_c_LaurentNoichl-1-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/ach-dasta.de\/zeitung\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Ikkimel_c_LaurentNoichl-1-300x225.jpg 300w, https:\/\/ach-dasta.de\/zeitung\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Ikkimel_c_LaurentNoichl-1-768x576.jpg 768w, https:\/\/ach-dasta.de\/zeitung\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Ikkimel_c_LaurentNoichl-1.jpg 1250w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/div><a class=\"wp-block-latest-posts__post-title\" href=\"https:\/\/ach-dasta.de\/zeitung\/blog\/ikkimel-vs-coach-aaron-erste-lektion-selbstermaechtigung\/\">Ikkimel vs. Coach Aaron: Erste Lektion Selbsterm\u00e4chtigung<\/a><time datetime=\"2026-03-11T20:00:00+02:00\" class=\"wp-block-latest-posts__post-date\">11. M\u00e4rz 2026<\/time><div class=\"wp-block-latest-posts__post-excerpt\">\u201eFrau\u2018n brauchen kein Schimpfwort, unsre Waffe hei\u00dft Giftmord\u201c ist das schon Drohung, oder darf Kunst so? Neben Ikkimels neuem Song Giftmord, droppten auch einige Kinnladen.<\/div><\/li>\n<\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Grundschule. Sexualkundeunterricht. Lehrerin Anna versucht ihrer vierten Klasse die Grundlagen \u00fcber Geschlecht und Fortpflanzung und die Entstehung von neuem Leben beizubringen. 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