{"id":2934,"date":"2025-01-29T20:00:00","date_gmt":"2025-01-29T18:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/ach-dasta.de\/zeitung\/?p=2934"},"modified":"2025-01-29T22:03:50","modified_gmt":"2025-01-29T20:03:50","slug":"wir-brauchen-positive-geschichten-im-naturschutz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ach-dasta.de\/zeitung\/blog\/wir-brauchen-positive-geschichten-im-naturschutz\/","title":{"rendered":"\u00bbWir brauchen positive Geschichten im Naturschutz!\u00ab"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">\u00bbWir brauchen positive Geschichten im Naturschutz!\u00ab<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Ein Interview von Anica Schubert (29.Jan.2025)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Marcel Gerson liebt das Abenteuer\u202f\u2013 der geb\u00fcrtige Bremer arbeitet in einem Umweltb\u00fcro in Berlin und reist f\u00fcr verschiedene Forschungsprojekte um die Welt. \u00dcber 200 Eisb\u00e4ren hat Marcel dabei schon in freier Wildbahn gesehen. Immer dabei: seine Kamera, mit der er Tiere von Polarfuchs bis Stadthamster ablichtet. Seine Impressionen teilt er auf Youtube sowie Instagram unter dem Namen <a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/faszinationwildnis\/\">@\u00adFaszinationWildnis<\/a>. Im Interview berichtet der Wildtier\u00f6kologe von steigendenen Eisb\u00e4rpopulationen und dem Marketingproblem von Wissenschaftler:innen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"709\" src=\"https:\/\/ach-dasta.de\/zeitung\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/Arktis-1024x709.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2935\" srcset=\"https:\/\/ach-dasta.de\/zeitung\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/Arktis-1024x709.jpg 1024w, https:\/\/ach-dasta.de\/zeitung\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/Arktis-300x208.jpg 300w, https:\/\/ach-dasta.de\/zeitung\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/Arktis-768x532.jpg 768w, https:\/\/ach-dasta.de\/zeitung\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/Arktis-1536x1063.jpg 1536w, https:\/\/ach-dasta.de\/zeitung\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/Arktis-2048x1418.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Illustration: Margo Sibel Koneberg<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Anica: Hallo Marcel, bist du entspannt ins neue Jahr gestartet?<\/strong><br>Marcel: Hallo! Ich bin tats\u00e4chlich sehr entspannt ins neue Jahr gestartet. Jetzt beginnt jedoch langsam der Stress, da ich viele Projekte f\u00fcr dieses Jahr vorbereiten muss.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Anica: Bist du selbstst\u00e4ndig?<\/strong><br>Marcel:Ich habe zwei verschiedene T\u00e4tigkeitsfelder. Zum einen bin ich hier Vollzeit im Umweltb\u00fcro in Berlin besch\u00e4ftigt und zum anderen arbeite ich als Freelancer f\u00fcr Forschungs- und Fotoprojekte in der Arktis und Antarktis.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Anica: Du bist Wildtier\u00f6kologe\u202f\u2013 wie wird man das?<\/strong><br>Was hat dich dazu motiviert, dich mit Wildtieren und Biodiversit\u00e4t zu besch\u00e4ftigen?<br>Marcel: Schon als Kind war ich begeistert von Tieren, besonders durch die Zeit auf dem kleinen Hof meiner Mutter in Portugal. Im Biologie-Leistungskurs entdeckte ich mein Interesse f\u00fcr die Wechselwirkungen zwischen Tieren und ihrer Umwelt. Ich habe Forstwissenschaften studiert und mich dabei auf Wald\u00f6kologie spezialisiert. Nach dem Studium arbeitete ich zun\u00e4chst in der Umweltbildung und im Naturtourismus. Eine pr\u00e4gende Erfahrung war meine Freiwilligenarbeit beim NABU, wo ich Flederm\u00e4use \u00fcberwachte\u202f\u2013 das weckte mein Interesse f\u00fcr den Naturschutz neu. Danach folgten eine Trainee-Stelle in einem Umweltb\u00fcro und ein zweiter Master, der mir den Zugang zu internationalen Forschungsprojekten verschaffte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Anica: Kannst du mir von deinen Erfahrungen und Expeditionen in der Arktis und Antarktis berichten?<\/strong><br>Marcel: Ich war mehrmals auf Spitzbergen, zun\u00e4chst im Sommer f\u00fcr ein Seminar zu arktischen Meeresv\u00f6geln, um die Verbindung zwischen Meer und Land zu erforschen. Danach erlebte ich den Winter dort, arbeitete f\u00fcr das Norwegische Polarinstitut an Projekten \u00fcber Rentiere und Polarf\u00fcchse und begann als Guide zu arbeiten. Seit drei Jahren f\u00fchre ich Touren in der Arktis. Letztes Jahr war ich f\u00fcr zwei Monate als Guide in der Antarktis unterwegs\u202f\u2013 eine faszinierende Landschaft.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-neve-link-color-color has-text-color has-link-color has-medium-font-size wp-elements-1 wp-block-paragraph\"><strong>\u00bbBesonders spannend war eine Studie \u00fcber Rentiere, die zeigte, wie die Tiere trotz extremer Bedingungen \u00fcberwintern.\u00ab<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Anica: Wie kannst du erkennen, ob du dich in der Antarktis oder in der Arktis befindest?<\/strong><br>Marcel: Die Antarktis ist ein eisbedeckter Kontinent mit Pinguinkolonien, w\u00e4hrend die Arktis aus Wasser besteht, das von Landmassen umgeben ist. Pinguine gibt es nur in der Antarktis, und sie leben in gro\u00dfen Kolonien, die leicht zu finden sind. Eisb\u00e4ren hingegen sind in der Arktis schwerer zu entdecken, da sie viel wandern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Anica: Konntest du damit rechnen, dass du Wildtieren zum Fotografieren auch wirklich begegnest?<\/strong><br>Marcel: In der Wildtierfotografie sind Vorbereitung und Gl\u00fcck entscheidend. Nicht immer sind die Bedingungen ideal, um Tiere zu finden. Ein ethischer Ansatz ist wichtig, um sie nicht zu st\u00f6ren. Trotz \u00fcber 200 Eisb\u00e4ren-Beobachtungen fehlt mir das klassische Foto eines B\u00e4ren auf dem Packeis\u202f\u2013 ein Wunschmotiv, das mir bisher verwehrt blieb. Mehr Erfolg hatte ich mit Polarf\u00fcchsen. In einem abgelegenen Tal auf Spitzbergen habe ich sie zwar nur bei jedem dritten Besuch gesehen, aber meine besten Aufnahmen entstanden bei einer sp\u00e4teren Begegnung\u202f\u2013 trotz weniger optimalem Equipment.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"590\" height=\"885\" src=\"https:\/\/ach-dasta.de\/zeitung\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/IMG_0354.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2939\" srcset=\"https:\/\/ach-dasta.de\/zeitung\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/IMG_0354.jpg 590w, https:\/\/ach-dasta.de\/zeitung\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/IMG_0354-200x300.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 590px) 100vw, 590px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\"><em>Foto: Marcel Gerson<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Anica: Was war dein spannendstes Forschungsprojekt, das du bisher begleitet hast?<\/strong><br>Marcel: Besonders spannend war eine Studie \u00fcber Rentiere auf Spitzbergen, die zeigte, wie sie trotz extremer Bedingungen \u00fcberwintern. Unsere Hypothese, dass Rentiere Pflanzen unter der Schneedecke riechen und gezielt dort graben, wo keine Eisschicht ist, hat sich voll best\u00e4tigt. Die Grabungsstellen der Tiere f\u00fchrten immer zu Pflanzen ohne Eis, w\u00e4hrend daneben oft Eisschichten lagen. Diese Ergebnisse sind auch f\u00fcr die Klimaforschung relevant. Spitzbergen erw\u00e4rmt sich schnell, und zunehmende Regenf\u00e4lle im Winter f\u00fchren oft zu gefrierenden Eisschichten. Diese verhindern den Zugang der Rentiere zur Nahrung und erh\u00f6hen ihre Sterblichkeit. Gleichzeitig f\u00f6rdert der Klimawandel das Pflanzenwachstum im Sommer, was den Tieren zugutekommt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Anica: M\u00fcssen die Rentiere irgendwann aktiv unterst\u00fctzt werden, um ihr \u00dcberleben zu sichern? In der wilden Natur, ohne menschlichen Einfluss, w\u00fcrden sie vermutlich gut zurechtkommen.<\/strong><br>Marcel: Die Arktis wird oft als unber\u00fchrte Landschaft wahrgenommen, ist jedoch seit Jahrhunderten stark vom Menschen beeinflusst\u202f\u2013 deutlich mehr als die Antarktis. Bereits vor 400 Jahren dezimierten Walf\u00e4nger die Walbest\u00e4nde auf Spitzbergen fast vollst\u00e4ndig. Mit Beginn des Kohlebergbaus vor etwa 100 Jahren wurden viele Tierarten wie Walrosse, Eisb\u00e4ren und auch Rentiere nahezu ausgerottet. In den 1960er-Jahren begann man, Rentiere an einigen Orten wieder anzusiedeln. Heute hat sich die Population auf etwa 25.000 Tiere erholt\u202f\u2013 ein Rekord, obwohl 57\u202fProzent von Spitzbergen von Gletschern bedeckt sind. Aktuell besteht daher kein Bedarf, die Rentiere aktiv zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Anica: Die Sami leben in Nordskandinavien in Einklang mit den Rentieren. K\u00f6nnte das ein Vorbild im Umgang mit Wildtieren sein oder sollten Wildtiere losgel\u00f6st in ihrem \u00d6kosystem betrachtet werden?<\/strong><br>Marcel: Das Thema ist teilweise kontrovers. Bei den Sami geh\u00f6ren die Rentiere ihnen, was eine Form der Nutztierhaltung darstellt. Diese Tiere leben zwar freier als andere Nutztiere, aber ihre Nutzung hat Konsequenzen, wie das Fehlen von W\u00f6lfen in ihren Gebieten, da diese als Bedrohung angesehen werden. Ich sehe dieses Modell nicht negativ, aber es hat wenig mit echten Wildtieren zu tun. Die Vorstellung von Natur in Europa entspricht oft nicht der Realit\u00e4t. In urbanen R\u00e4umen wie Berlin gibt es beispielsweise viele Wildtiere wie F\u00fcchse und zahlreiche Vogelarten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-neve-link-color-color has-text-color has-link-color has-medium-font-size wp-elements-2 wp-block-paragraph\"><strong>\u00bbDie Arktis wird oft als unber\u00fchrte Landschaft wahrgenommen, ist jedoch seit Jahrhunderten stark vom Menschen beeinflusst.\u00ab<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Manche Menschen denken, dass sich Wildtiere dort unwohl f\u00fchlen m\u00fcssten, aber das Gegenteil ist der Fall. In der Stadt sind viele Tierpopulationen gr\u00f6\u00dfer als auf dem Land, da die Nahrungsverf\u00fcgbarkeit h\u00f6her ist. Auf dem Land hingegen dominiert die Kulturlandschaft: vom Menschen angelegte Fl\u00e4chen, keine urspr\u00fcngliche Natur. Entsprechend k\u00f6nnen wir diese \u00d6kosysteme wieder naturn\u00e4her gestalten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Anica: Sollten mehr W\u00e4lder wieder urspr\u00fcnglicher werden?<\/strong><br>Marcel: Ja, auf jeden Fall. Die EU plant, zwei\u202fProzent der Fl\u00e4che in Deutschland sich selbst zu \u00fcberlassen, derzeit sind es nur etwa 0,5\u202fProzent. Das sollte sich \u00e4ndern. Bei allem Verst\u00e4ndnis f\u00fcr naturnahe Waldwirtschaft sollten bestimmte Fl\u00e4chen unber\u00fchrt bleiben, um nat\u00fcrliche Dynamiken zu f\u00f6rdern und wertvolle Erkenntnisse zu gewinnen. Ein gutes Beispiel ist der Bayerische Wald, Deutschlands erster Nationalpark, in dem das Prinzip \u00bbNatur Natur sein lassen\u00ab gilt: Dort hat sich der Wald von vielen Sturmereignissen erholt. Tote B\u00e4ume sind essenziell f\u00fcr das \u00d6kosystem, da sie Lebensr\u00e4ume f\u00fcr viele Arten bieten und nat\u00fcrliche Prozesse ansto\u00dfen. Tierkadaver sind wichtige Nahrungsquellen f\u00fcr Insekten und Geier. Menschliche Eingriffe, wie das Entfernen von Kadavern, st\u00f6ren diese Prozesse und zeigen, wie sensibel die \u00d6kosysteme sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Anica: H\u00e4ltst du es f\u00fcr sinnvoll, Raubtiere wieder st\u00e4rker in unsere \u00d6kosysteme zu integrieren und dadurch die Jagd durch den Menschen zu reduzieren?<\/strong><br>Marcel: Ja, das halte ich f\u00fcr absolut sinnvoll. Eine gewisse Form der Jagd wird weiterhin n\u00f6tig sein, doch die Jagdpraxis in Deutschland m\u00fcsste dringend reformiert werden. Besonders problematisch ist der Umgang mit Pr\u00e4datoren wie Fuchs oder Dachs. H\u00e4ufig wird behauptet, ihre Bejagung w\u00fcrde bodenlebende Vogelarten f\u00f6rdern\u202f\u2013 doch wissenschaftlich belastbare Beweise daf\u00fcr fehlen oft. Vieles basiert auf Traditionen und Annahmen. Es ist wichtig, solche Ma\u00dfnahmen wissenschaftlich zu pr\u00fcfen, um herauszufinden, was tats\u00e4chlich wirkt. Nur Tiere zu t\u00f6ten, weil es \u00bbimmer so gemacht wurde\u00ab, reicht als Begr\u00fcndung nicht aus. Wir brauchen eine fundierte, \u00f6kologische Herangehensweise.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Anica: Vieles, das fr\u00fcher normal war, ist heute aufgrund von neuen Erkenntnissen nicht mehr zeitgem\u00e4\u00df. Bei Zoos habe ich den Eindruck, dass sie sich mit Ausreden verteidigen. Gilt das auch f\u00fcr die Jagd?<\/strong><br>Marcel: Ja, das kann man so sagen. Robert Marc Lehmann hat das Thema Zoo stark in die \u00d6ffentlichkeit gebracht, \u00c4hnliches gilt f\u00fcr die Jagd. Auch hier wird \u00fcberlegt, wie man sich medial pr\u00e4sentiert, um das eigene Image zu verbessern. Viele J\u00e4ger nutzen soziale Medien aber kaum, da sie eher dem Alltag entfliehen wollen. Es gibt typische Narrative, besonders beim Wolf: Oft hei\u00dft es, \u00bbDer Wolf ist brutal und rei\u00dft Tiere qualvoll, w\u00e4hrend wir J\u00e4ger pr\u00e4zise schie\u00dfen und das Tier nicht leidet.\u00ab Diese Argumente sind stark vereinfacht und werden zunehmend in Frage gestellt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Anica: Warum ist der Wolf nach Deutschland zur\u00fcckgekehrt?<\/strong><br>Marcel: W\u00f6lfe wurden in Deutschland ausgerottet, kehrten aber 1999 aus Polen zur\u00fcck und siedelten sich zun\u00e4chst auf Truppen\u00fcbungspl\u00e4tzen an. Ihre Anpassungsf\u00e4higkeit und ihre geringen Anspr\u00fcche an Nahrung und R\u00fcckzugsr\u00e4ume erm\u00f6glichten die Ausbreitung. Sie leben sogar in Tagebauen oder kleinen W\u00e4ldern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Anica: Wie kann sich der Wolf in Deutschland ausbreiten und gleichzeitig der Schutz von Nutztieren und Menschen sichergestellt werden? Stellt der Wolf f\u00fcr den Menschen \u00fcberhaupt eine Gefahr dar?<\/strong><br>Marcel: In den letzten Jahren hat sich die Diskussion um W\u00f6lfe stark ver\u00e4ndert. Vor zehn Jahren standen Angriffe auf Menschen im Vordergrund, doch heute gibt es keine dokumentierten Angriffe. Die meisten Begegnungen sind einseitig\u202f\u2013 der Wolf sieht uns, wir bemerken ihn nicht. Menschen sind keine nat\u00fcrliche Beute f\u00fcr W\u00f6lfe, und t\u00e4gliche Angriffe finden nicht statt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-neve-link-color-color has-text-color has-link-color has-medium-font-size wp-elements-3 wp-block-paragraph\"><strong>\u00bbIhre Anpassungsf\u00e4higkeit und geringen Anspr\u00fcche erm\u00f6glicht den W\u00f6lfen die Ausbreitung.\u00ab<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein gro\u00dfer Fortschritt ist das Monitoring der W\u00f6lfe mit einer umfangreichen DNA-Datenbank, die eine solide Grundlage f\u00fcr das Wolfsmanagement bietet. Die gr\u00f6\u00dfte Herausforderung bleibt der Umgang den Nutztierhaltern, insbesondere den Sch\u00e4fern. Pr\u00e4ventionsma\u00dfnahmen wie Elektroz\u00e4une sind entscheidend und effektiv. Ich halte es f\u00fcr vertretbar, einzelne W\u00f6lfe zu entnehmen, wenn sie wiederholt Schutzma\u00dfnahmen durchbrechen oder Nutztieren schaden. Solche Eingriffe halte ich f\u00fcr vertretbar, um langfristig ein Gleichgewicht zu gew\u00e4hrleisten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Anica: Wie bewertest du die Entwicklung, dass der Wolf seinen hohen Schutzstatus verliert?<\/strong><br>Marcel: Die Herabstufung des Wolfs von \u00bbstreng gesch\u00fctzt\u00ab auf \u00bbgesch\u00fctzt\u00ab soll Managementma\u00dfnahmen erleichtern, was im M\u00e4rz in Kraft tritt. Praktisch wird sich jedoch wenig \u00e4ndern, da gezielte Eingriffe weiterhin Vorrang vor einer generellen Aufnahme ins Jagdrecht haben. Ich finde es schade, dass der Wolf in der politischen Kommunikation zunehmend als Konfliktthema dargestellt wird, anstatt seine symbolische Bedeutung zu betonen. Zudem hat sich das Wachstum der Wolfspopulation von j\u00e4hrlich 20 bis 30\u202fProzent vor zehn Jahren auf etwa zehn\u202fProzent verlangsamt, was zeigt, dass die Dynamik bereits nachgelassen hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Anica: Warum sind die Wachstumsraten so zur\u00fcckgegangen?<\/strong><br>Marcel: Es sind Barrieren wie Autobahnen und Stra\u00dfen, die die Ausbreitung erschweren. F\u00fcr die Besiedlung eines neuen Gebiets m\u00fcssen viele Faktoren zusammenpassen: Ein M\u00e4nnchen und ein Weibchen m\u00fcssen sich finden und ein Territorium etablieren. R\u00fcckschl\u00e4ge durch J\u00e4ger oder Landwirte sind dabei nicht selten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Anica: Das zeigt erneut, wie wichtig es ist, das \u00d6kosystem ganzheitlich zu betrachten und die W\u00e4lder miteinander zu verbinden.<\/strong><br>Marcel: Absolut. Das ist entscheidend, besonders f\u00fcr andere Tiere wie den Luchs, der viel st\u00e4rker an seinen Lebensraum gebunden ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Anica: Lass uns den Klimawandel in der Arktis beleuchten. Dort f\u00e4llt er durch die Schmelzung des Eises besonders auf. Welche Tierarten sind besonders bedroht?<\/strong><br>Marcel: Eisb\u00e4ren sind stark bedroht, da sie f\u00fcr ihre Robbenjagd auf Meereis angewiesen sind. Ohne Eis k\u00f6nnen sie ihre Beute nicht erlegen. Als extreme Spezialisten in einem Lebensraum mit geringer Biodiversit\u00e4t haben Eisb\u00e4ren Schwierigkeiten, sich anzupassen. In der Arktis gibt es zwar nur wenige S\u00e4ugetierarten, daf\u00fcr oft gro\u00dfe Populationen, wie 25.000 Eisb\u00e4ren oder riesige Vogelkolonien. \u00ad\u00c4hnlich verh\u00e4lt es sich in der Antarktis mit den Pinguinkolonien. W\u00e4hrenddessen dringen Generalisten\u202f\u2013 Tiere, die anpassungf\u00e4higer sind\u202f\u2013 in diese Lebensr\u00e4ume ein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-neve-link-color-color has-text-color has-link-color has-medium-font-size wp-elements-4 wp-block-paragraph\"><strong>\u00bbDie Eisb\u00e4rpopulation auf Spitzbergen ist gestiegen, weil sich die Tiere noch von der Ausrottung erholen.\u00ab<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Anica: K\u00f6nnen sich diese Tiere an die ver\u00e4nderten Klimazonen anpassen? Wenn das Eis schmilzt, m\u00fcssten die Robben irgendwann auch auf dem Festland leben.<\/strong><br>Marcel: Hm, das werden wir sehen. Bisher zieht das Eis immer weiter nach Norden, und auch bei den Eisb\u00e4ren gibt es auch positive Entwicklungen. Die Eisb\u00e4rpopulation auf Spitzbergen ist kurzfristig gestiegen, weil sich die Tiere noch von der lokalen Ausrottung erholen. Mittelfristig haben sie wahrscheinlich noch gute \u00dcberlebenschancen, da es Faktoren gibt, die wir m\u00f6glicherweise nicht vollst\u00e4ndig beobachten \u2013 \u00f6kologische Systeme sind komplex. Jedoch ist es wahrscheinlich, dass sich ihre Populationen verschieben und lokal aussterben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Anica: Das klingt nach einer positiven Aussicht. Oft h\u00f6rt man nur, dass das Eis schmilzt und Eisb\u00e4ren aussterben.<\/strong><br>Marcel: Das wird oft nicht richtig vermittelt. Ich bin grunds\u00e4tzlich ein optimistischer Mensch: Im Sommer habe ich Vortr\u00e4ge \u00fcber positiven Geschichten aus dem Naturschutz gehalten. Es gibt durchaus zuversichtliche Entwicklungen. In Europa erholen sich viele Tierarten, wie W\u00f6lfe, Luchse, Biber und Seeadler. Dennoch gibt es auch Arten, denen es schlecht geht, vor allem weniger charismatische Tiere.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"590\" height=\"394\" src=\"https:\/\/ach-dasta.de\/zeitung\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/IMG_0359.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2942\" srcset=\"https:\/\/ach-dasta.de\/zeitung\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/IMG_0359.jpg 590w, https:\/\/ach-dasta.de\/zeitung\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/IMG_0359-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 590px) 100vw, 590px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\"><em>Foto: Marcel Gerson<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Anica: Zum Beispiel Amphibien?<\/strong><br>Marcel: Genau, aber auch Reptilien und Vogelarten wie die Feldlerche oder der Kiebitz, die in der Agrarlandschaft leben. Auch bei den Insekten gibt es dramatische Einbr\u00fcche. Da Insekten die Grundlage unseres \u00d6kosystems sind, ist das besonders alarmierend.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Anica: Gibt es gen\u00fcgend Forschung im Bereich Wildnis, Artenvielfalt und Klima oder ist da noch Bedarf?<\/strong><br>Marcel: Es mangelt weniger an Forschung als an einer klaren Kommunikation der Ergebnisse. Wissenschaftlern f\u00e4llt es oft schwer, komplexe Erkenntnisse verst\u00e4ndlich an die \u00d6ffentlichkeit zu vermitteln. Zudem bleibt in den Medien h\u00e4ufig wenig Raum f\u00fcr tiefgehende Auseinandersetzungen, weshalb Themen wie Artenschutz und Biodiversit\u00e4t oft zu kurz kommen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-neve-link-color-color has-text-color has-link-color has-medium-font-size wp-elements-5 wp-block-paragraph\"><strong>\u00bbWissenschaftlern f\u00e4llt es oft schwer, komplexe Erkenntnisse verst\u00e4ndlich an die \u00d6ffentlichkeit zu vermitteln.\u00ab<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Tierschutz- und Biodiversit\u00e4tsprojekte ben\u00f6tigen dringend ein besseres Marketing, zum Beispiel durch spezialisierte Agenturen, ansprechende Websites oder professionelle Werbefilme. Ein Vorbild ist die Auswilderung des Bartgeiers in Bayern, die durch medienwirksame Events viele Menschen erreicht hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Anica: Was sind deine weiteren Pl\u00e4ne?<\/strong><br>Marcel: Dieses Jahr stehen spannende Projekte an, darunter ein Forschungsaufenthalt in Namibia zur Untersuchung des Verhaltens von L\u00f6wen. Langfristig m\u00f6chte ich mich in der Umweltpolitik engagieren und als Referent f\u00fcr Umweltorganisationen oder Beh\u00f6rden arbeiten.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:100px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-text-color has-neve-link-color-color has-alpha-channel-opacity has-neve-link-color-background-color has-background\"\/>\n\n\n\n<p class=\"has-neve-link-color-color has-text-color has-link-color wp-elements-6 wp-block-paragraph\">English version (automated translation:)<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:100px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">\u00bbWe Need Positive Stories in nature Conservation!\u00ab<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Interview by Anica Schubert (29.Jan.2025)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Marcel Gerson loves adventure \u2013 the Bremen-born ecologist works at an environmental office in Berlin and travels the world for various research projects. He has already observed over 200 polar bears in the wild. Always with him: his camera, capturing animals from arctic foxes to urban hamsters. He shares his impressions on YouTube and Instagram under the name <a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/faszinationwildnis\/\">@FaszinationWildnis<\/a>. In this interview, the wildlife ecologist talks about rising polar bear populations and the marketing challenges scientists face.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"709\" src=\"https:\/\/ach-dasta.de\/zeitung\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/Arktis-1-1024x709.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2936\" srcset=\"https:\/\/ach-dasta.de\/zeitung\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/Arktis-1-1024x709.jpg 1024w, https:\/\/ach-dasta.de\/zeitung\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/Arktis-1-300x208.jpg 300w, https:\/\/ach-dasta.de\/zeitung\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/Arktis-1-768x532.jpg 768w, https:\/\/ach-dasta.de\/zeitung\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/Arktis-1-1536x1063.jpg 1536w, https:\/\/ach-dasta.de\/zeitung\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/Arktis-1-2048x1418.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Illustration: Margo Sibel Koneberg<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Anica: Hello Marcel, did you start the new year relaxed? <\/strong><br>Marcel: Hello! I actually started the new year very relaxed. However, stress is slowly creeping in now as I have to prepare for many projects this year.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Anica: Are you self-employed? <\/strong><br>Marcel: I have two different roles. On the one hand, I work full-time at an environmental office in Berlin. On the other, I work as a freelancer for research and photography projects in the Arctic and Antarctic.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Anica: You are a wildlife ecologist \u2013 how does one become that? What motivated you to work with wildlife and biodiversity? <\/strong><br>Marcel: I was fascinated by animals as a child, especially during my time on my mother\u2019s small farm in Portugal. In my advanced biology course, I discovered my interest in the interactions between animals and their environment. I studied forestry sciences, specializing in forest ecology. After graduation, I initially worked in environmental education and nature tourism. A defining experience was my volunteer work with NABU, where I monitored bats \u2013 this rekindled my interest in conservation. This was followed by a trainee position at an environmental office and a second master\u2019s degree, which opened doors to international research projects.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Anica: Can you tell me about your experiences and expeditions in the Arctic and Antarctic? <\/strong><br>Marcel: I\u2019ve been to Svalbard multiple times, first in summer for a seminar on Arctic seabirds to study the connection between the ocean and land. Later, I experienced winter there, working for the Norwegian Polar Institute on projects about reindeer and arctic foxes and starting as a guide. For the past three years, I have been leading tours in the Arctic. Last year, I spent two months as a guide in Antarctica \u2013 an absolutely fascinating landscape.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-neve-link-color-color has-text-color has-link-color has-medium-font-size wp-elements-7 wp-block-paragraph\"><strong>&#8222;One particularly exciting study on reindeer showed how they survive extreme winter conditions.&#8220;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Anica: How can you tell whether you&#8217;re in the Arctic or Antarctic? <br><\/strong>Marcel: The Antarctic is an ice-covered continent with penguin colonies, whereas the Arctic is an ocean surrounded by land masses. Penguins exist only in Antarctica, and they live in large, easily found colonies. In contrast, polar bears in the Arctic are harder to spot because they roam extensively.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Anica: Could you always count on encountering wildlife for photography? <br><\/strong>Marcel: In wildlife photography, preparation and luck are crucial. Conditions are not always ideal for spotting animals. An ethical approach is essential to avoid disturbing them. Despite observing over 200 polar bears, I still lack the classic photo of a bear on pack ice \u2013 a dream shot that has eluded me. I\u2019ve had more success with arctic foxes. In a remote valley in Svalbard, I only saw them every third visit, but my best shots came from a later encounter, even with less-than-ideal equipment.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"590\" height=\"885\" src=\"https:\/\/ach-dasta.de\/zeitung\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/IMG_0354-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2940\" srcset=\"https:\/\/ach-dasta.de\/zeitung\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/IMG_0354-1.jpg 590w, https:\/\/ach-dasta.de\/zeitung\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/IMG_0354-1-200x300.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 590px) 100vw, 590px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\"><em>Foto: Marcel Gerson<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Anica: What has been the most exciting research project you&#8217;ve participated in? <br><\/strong>Marcel: A particularly fascinating study on Svalbard\u2019s reindeer demonstrated how they survive extreme winter conditions. We hypothesized that reindeer can smell plants beneath the snow and dig precisely where there is no ice layer \u2013 this was fully confirmed. The animals&#8216; digging sites always led to ice-free plants, whereas adjacent areas often had ice layers. These findings are also relevant to climate research. Svalbard is warming rapidly, and increasing winter rain often leads to freezing ice layers, preventing reindeer from accessing food and increasing mortality. At the same time, climate change is promoting plant growth in summer, which benefits the reindeer.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Anica: Will reindeer eventually need active support to survive? In a wild setting, without human interference, they would likely manage on their own. <br><\/strong>Marcel: The Arctic is often seen as untouched, but it has been heavily influenced by humans for centuries \u2013 much more than Antarctica. Four hundred years ago, whalers nearly wiped out whale populations in Svalbard. About 100 years ago, coal mining began, leading to the near extinction of many species, including walruses, polar bears, and reindeer. In the 1960s, reindeer were reintroduced to some areas. Today, their population has recovered to around 25,000 \u2013 a record, despite 57% of Svalbard being covered by glaciers. Currently, there is no need for active support.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Anica: The S\u00e1mi people in northern Scandinavia live in harmony with reindeer. Could this be a model for wildlife management, or should wild animals be considered separately within their ecosystems? <br><\/strong>Marcel: This is a controversial topic. For the S\u00e1mi, reindeer are livestock, which is different from wild animals. Although they roam freely, their management has consequences, such as the absence of wolves in S\u00e1mi areas since they are seen as a threat. This model isn\u2019t necessarily negative, but it has little to do with true wildlife. The perception of nature in Europe often differs from reality. Urban areas like Berlin host many wild animals, such as foxes and various bird species. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-neve-link-color-color has-text-color has-link-color has-medium-font-size wp-elements-8 wp-block-paragraph\"><strong>&#8222;The Arctic is often perceived as a pristine landscape, but it has been heavily influenced by humans for centuries.&#8220;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Some people think wildlife must be uncomfortable in cities, but the opposite is true. Many populations are larger in cities due to greater food availability. In contrast, rural areas are dominated by human-made landscapes rather than untouched nature. We can restore these ecosystems to a more natural state.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Anica: Should more forests be left to grow naturally? <br><\/strong>Marcel: Absolutely. The EU plans to leave 2% of Germany\u2019s land untouched, but currently, it\u2019s only about 0.5%. This needs to change. While sustainable forestry is valuable, some areas should remain undisturbed to promote natural dynamics and gain valuable ecological insights. A great example is Bavaria\u2019s first national park, where the principle &#8222;let nature be nature&#8220; applies. The forest has recovered from numerous storms. Dead trees are essential for ecosystems, providing habitats and fostering natural processes. Animal carcasses are vital food sources for insects and scavengers like vultures. Human interference, such as removing carcasses, disrupts these processes and highlights how sensitive ecosystems are.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Anica: Do you think it\u2019s beneficial to reintegrate predators into ecosystems to reduce human hunting? <\/strong>Marcel: Yes, definitely. Some level of hunting will still be necessary, but Germany\u2019s hunting practices need reform. Predators like foxes and badgers are often culled under the assumption that it helps ground-nesting bird species \u2013 but scientific evidence for this is lacking. Many decisions are based on tradition rather than science. Wildlife management should be grounded in ecological research rather than outdated practices.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Anica: Do you think large predators should be reintegrated into our ecosystems, reducing the need for human hunting? <\/strong><br>Marcel: Yes, absolutely. Some form of hunting will still be necessary, but hunting practices in Germany need urgent reform. Predators like foxes and badgers are often hunted under the assumption that it helps ground-nesting birds, but there is little scientific evidence to support this. Many practices are based on tradition rather than science. Conservation measures should be based on solid ecological principles rather than outdated customs.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Anica: Do you think there is enough research on wilderness, biodiversity, and climate, or is more needed? <\/strong>Marcel: The issue isn\u2019t a lack of research but rather the difficulty in communicating findings effectively. Scientists often struggle to present complex results in a way the public can understand. Additionally, the media rarely provides space for in-depth discussions, so topics like conservation and biodiversity often get overlooked. Conservation projects urgently need better marketing through specialized agencies, appealing websites, or professional promotional videos. A great example is the reintroduction of bearded vultures in Bavaria, which reached many people through high-profile events.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image aligncenter size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"590\" height=\"394\" src=\"https:\/\/ach-dasta.de\/zeitung\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/IMG_0359-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2944\" srcset=\"https:\/\/ach-dasta.de\/zeitung\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/IMG_0359-1.jpg 590w, https:\/\/ach-dasta.de\/zeitung\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/IMG_0359-1-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 590px) 100vw, 590px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center wp-block-paragraph\"><em>Foto: Marcel Gerson<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Anica: What are your future plans? <\/strong><br>Marcel: This year, I have exciting projects lined up, including a research trip to Namibia to study lion behavior. In the long run, I\u2019d like to work in environmental policy and as a consultant for conservation organizations or government agencies.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:100px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-text-color has-neve-link-color-color has-alpha-channel-opacity has-neve-link-color-background-color has-background is-style-wide\"\/>\n\n\n\n<div style=\"height:100px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n<ul class=\"wp-block-latest-posts__list is-grid has-dates wp-block-latest-posts is-layout-flow wp-block-latest-posts-is-layout-flow\"><li><div class=\"wp-block-latest-posts__featured-image\"><a href=\"https:\/\/ach-dasta.de\/zeitung\/blog\/taxiteller-adorno-schlussverkauf-bildung-konferenz-in-oer-erkenschwick\/\" aria-label=\"Taxiteller &amp; Adorno: Schlussverkauf Bildung Konferenz in Oer-Erkenschwick\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"819\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/ach-dasta.de\/zeitung\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/DSCF6196-819x1024.jpg\" class=\"attachment-large size-large wp-post-image\" alt=\"\" style=\"\" srcset=\"https:\/\/ach-dasta.de\/zeitung\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/DSCF6196-819x1024.jpg 819w, https:\/\/ach-dasta.de\/zeitung\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/DSCF6196-240x300.jpg 240w, https:\/\/ach-dasta.de\/zeitung\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/DSCF6196-768x960.jpg 768w, https:\/\/ach-dasta.de\/zeitung\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/DSCF6196-1228x1536.jpg 1228w, https:\/\/ach-dasta.de\/zeitung\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/DSCF6196.jpg 1250w\" sizes=\"auto, (max-width: 819px) 100vw, 819px\" \/><\/a><\/div><a class=\"wp-block-latest-posts__post-title\" href=\"https:\/\/ach-dasta.de\/zeitung\/blog\/taxiteller-adorno-schlussverkauf-bildung-konferenz-in-oer-erkenschwick\/\">Taxiteller &amp; Adorno: Schlussverkauf Bildung Konferenz in Oer-Erkenschwick<\/a><time datetime=\"2026-03-25T20:00:00+02:00\" class=\"wp-block-latest-posts__post-date\">25. M\u00e4rz 2026<\/time><div class=\"wp-block-latest-posts__post-excerpt\">Professuren werden gestrichen, Geb\u00e4ude sind marode, das BAf\u00f6G reicht hinten und vorne nicht. Bundesweit wird Bildung seit Jahren kaputtgespart und der fzs, der Dachverband der Studierendenvertretungen, dem auch unser AStA angeh\u00f6rt, hat darauf eine Kampagne gegr\u00fcndet: \u201eSchlussverkauf Bildung&#8220;. Die Idee dahinter ist, die vielen dezentralen K\u00e4mpfe an einzelnen Hochschulen sichtbar zu machen und zu b\u00fcndeln.<\/div><\/li>\n<li><div class=\"wp-block-latest-posts__featured-image\"><a href=\"https:\/\/ach-dasta.de\/zeitung\/blog\/wild-sein-wild-bleiben\/\" aria-label=\"Wild sein, wild bleiben?\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/ach-dasta.de\/zeitung\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/DSCF2460-1024x768.jpg\" class=\"attachment-large size-large wp-post-image\" alt=\"\" style=\"\" srcset=\"https:\/\/ach-dasta.de\/zeitung\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/DSCF2460-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/ach-dasta.de\/zeitung\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/DSCF2460-300x225.jpg 300w, https:\/\/ach-dasta.de\/zeitung\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/DSCF2460-768x576.jpg 768w, https:\/\/ach-dasta.de\/zeitung\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/DSCF2460.jpg 1250w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/div><a class=\"wp-block-latest-posts__post-title\" href=\"https:\/\/ach-dasta.de\/zeitung\/blog\/wild-sein-wild-bleiben\/\">Wild sein, wild bleiben?<\/a><time datetime=\"2026-03-18T20:00:00+02:00\" class=\"wp-block-latest-posts__post-date\">18. M\u00e4rz 2026<\/time><div class=\"wp-block-latest-posts__post-excerpt\">Von einer quirligen Rasselbande und \u201eIgitt, Kotz und B\u00e4h &#8211; M\u00e4dchen, die stinken\u201d zu Vampiren hinter dem Horizont, von denen die Wilden Kerle, wie bei der RTL-Show Take Me Out, jeweils ein Chick mit nache Hause nehmen. Let\u2019s rewatch und zur\u00fcck zum Anfang.<\/div><\/li>\n<li><div class=\"wp-block-latest-posts__featured-image\"><a href=\"https:\/\/ach-dasta.de\/zeitung\/blog\/ikkimel-vs-coach-aaron-erste-lektion-selbstermaechtigung\/\" aria-label=\"Ikkimel vs. Coach Aaron: Erste Lektion Selbsterm\u00e4chtigung\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/ach-dasta.de\/zeitung\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Ikkimel_c_LaurentNoichl-1-1024x768.jpg\" class=\"attachment-large size-large wp-post-image\" alt=\"\" style=\"\" srcset=\"https:\/\/ach-dasta.de\/zeitung\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Ikkimel_c_LaurentNoichl-1-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/ach-dasta.de\/zeitung\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Ikkimel_c_LaurentNoichl-1-300x225.jpg 300w, https:\/\/ach-dasta.de\/zeitung\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Ikkimel_c_LaurentNoichl-1-768x576.jpg 768w, https:\/\/ach-dasta.de\/zeitung\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Ikkimel_c_LaurentNoichl-1.jpg 1250w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/div><a class=\"wp-block-latest-posts__post-title\" href=\"https:\/\/ach-dasta.de\/zeitung\/blog\/ikkimel-vs-coach-aaron-erste-lektion-selbstermaechtigung\/\">Ikkimel vs. Coach Aaron: Erste Lektion Selbsterm\u00e4chtigung<\/a><time datetime=\"2026-03-11T20:00:00+02:00\" class=\"wp-block-latest-posts__post-date\">11. M\u00e4rz 2026<\/time><div class=\"wp-block-latest-posts__post-excerpt\">\u201eFrau\u2018n brauchen kein Schimpfwort, unsre Waffe hei\u00dft Giftmord\u201c ist das schon Drohung, oder darf Kunst so? Neben Ikkimels neuem Song Giftmord, droppten auch einige Kinnladen.<\/div><\/li>\n<\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00bbWir brauchen positive Geschichten im Naturschutz!\u00ab Ein Interview von Anica Schubert (29.Jan.2025) Marcel Gerson liebt das Abenteuer\u202f\u2013 der geb\u00fcrtige Bremer arbeitet in einem Umweltb\u00fcro in Berlin und reist f\u00fcr verschiedene Forschungsprojekte um die Welt. \u00dcber 200 Eisb\u00e4ren hat Marcel dabei schon in freier Wildbahn gesehen. 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