{"id":4230,"date":"2025-07-30T20:00:00","date_gmt":"2025-07-30T18:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/ach-dasta.de\/zeitung\/?p=4230"},"modified":"2025-08-07T13:50:49","modified_gmt":"2025-08-07T11:50:49","slug":"der-schweiss-der-ungleichheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ach-dasta.de\/zeitung\/blog\/der-schweiss-der-ungleichheit\/","title":{"rendered":"Der Schwei\u00df der Ungleichheit"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-custom-1-font-size\" style=\"margin-top:0;margin-bottom:0\"><em>von Berivan Medi (30.Jul.2025)<\/em><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:30px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div style=\"aspect-ratio:3\/2;min-height:unset;\" class=\"wp-block-cover has-aspect-ratio\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1152\" height=\"798\" class=\"wp-block-cover__image-background wp-image-4237\" alt=\"\" src=\"https:\/\/ach-dasta.de\/zeitung\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/schweiss_webseite.png\" style=\"object-position:100% 0%\" data-object-fit=\"cover\" data-object-position=\"100% 0%\" srcset=\"https:\/\/ach-dasta.de\/zeitung\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/schweiss_webseite.png 1152w, https:\/\/ach-dasta.de\/zeitung\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/schweiss_webseite-300x208.png 300w, https:\/\/ach-dasta.de\/zeitung\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/schweiss_webseite-1024x709.png 1024w, https:\/\/ach-dasta.de\/zeitung\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/schweiss_webseite-768x532.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1152px) 100vw, 1152px\" \/><span aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-cover__background has-background-dim-0 has-background-dim\"><\/span><div class=\"wp-block-cover__inner-container is-layout-flow wp-block-cover-is-layout-flow\">\n<p class=\"has-text-align-center has-large-font-size\"><\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><em><sup>Illustration: Margo Sibel Koneberg<\/sup><\/em><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:30px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:25%\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:50%\">\n<div class=\"wp-block-group is-nowrap is-layout-flex wp-container-core-group-is-layout-6c531013 wp-block-group-is-layout-flex\">\n<div style=\"height:100px;width:0px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer wp-container-content-6388d5dc\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained\">\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>Wer leidet am meisten unter der Hitze?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Hitzewelle in Europa. Wieder einmal. Der Asphalt flimmert, Bahnschienen verbiegen sich, das Thermometer kratzt an der 40-Grad-Marke. In den Medien sprechen Politiker:innen von \u201eKlimaanpassung\u201c und \u201eResilienz\u201c. Tipps kursieren: viel trinken, im Schatten bleiben, nicht zu viel bewegen. Wer kann, arbeitet im Homeoffice. Wer sich&#8217;s leisten kann, f\u00e4hrt zum See oder startet den Ventilator. Doch diese Hitze ist nicht nur eine Wettererscheinung \u2013 sie ist ein Brennglas sozialer Ungleichheit. Der Klimawandel trifft uns alle. Aber nicht alle gleich. Denn wie du Hitze erlebst, h\u00e4ngt stark davon ab, wer du bist, wo du lebst \u2013 und was du besitzt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>Klimagerechtigkeit beginnt bei 40 Grad<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Schon heute sterben in deutschen St\u00e4dten hunderte Menschen pro Jahr an den Folgen extremer Hitze. Laut RKI sind es vor allem \u00e4ltere Menschen, chronisch Kranke und Menschen ohne festen Wohnsitz. Was oft vergessen wird: Auch die soziale Herkunft spielt eine entscheidende Rolle. Wer in einer schlecht isolierten Dachgeschosswohnung lebt, oder in einem dicht bebauten Stadtteil ohne B\u00e4ume, hat schlechtere Karten. Klimaanlagen sind teuer, Ventilatoren helfen nur begrenzt \u2013 und beides kostet Strom, der auch nicht billiger wird.<\/p>\n\n\n\n<p>In Gro\u00dfst\u00e4dten wie Berlin, Frankfurt oder Hamburg zeigen Studien, dass einkommensschwache Viertel deutlich st\u00e4rker unter gro\u00dfer Hitze leiden. W\u00e4hrend Villenviertel im Schatten alter B\u00e4ume liegen, ist es in sozialen Brennpunkten nicht nur w\u00e4rmer, sondern auch gef\u00e4hrlicher \u2013 f\u00fcr K\u00f6rper, Psyche und das Begehen des Alltags. Wer in Pflegeberufen, auf dem Bau, in Lieferdiensten oder der Gastronomie arbeitet, kann sich der Hitze nicht einfach entziehen. Hitzefrei? Gibt\u2019s nicht f\u00fcr alle.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>Globaler S\u00fcden: Zwischen Gluthitze und Ausbeutung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ein Blick \u00fcber die Grenzen hinaus zeigt: Die gr\u00f6\u00dfte Ungerechtigkeit liegt nicht nur in deutschen Innenst\u00e4dten \u2013 sondern im globalen Machtgef\u00fcge. L\u00e4nder wie Kenia, Bangladesch oder Pakistan leiden seit Jahren unter extremen Wetterereignisse: D\u00fcrren, Wasserknappheit, t\u00f6dliche Hitzewellen. Doch die L\u00e4nder, die am st\u00e4rksten betroffen sind, haben historisch am wenigsten zur Klimakrise beigetragen. Im Jahr 2024 f\u00fchrten massive Hitzewellen in Ostafrika zu Ernteausf\u00e4llen, Wassermangel und einem enormen Anstieg von Krankheiten wie Cholera. Gleichzeitig wurden in den selben Regionen weiterhin Blumen f\u00fcr europ\u00e4ische Superm\u00e4rkte gez\u00fcchtet \u2013 in wasserintensiven Monokulturen, die f\u00fcr den Export bestimmt sind. W\u00e4hrend dort die B\u00f6den austrocknen, kaufen wir Rosen f\u00fcr 2,99 bei Rewe. Der globale Norden profitiert \u2013 der globale S\u00fcden schwitzt. Diese Ungleichheit hat System. Der \u201e\u00f6kologische Fu\u00dfabdruck\u201c Europas basiert auf der Externalisierung von Umwelt- und Gesundheitskosten. Kurz gesagt: Unser Wohlstand entsteht auf dem R\u00fccken anderer.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>Klimawandel als Klassenfrage<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wir sprechen viel \u00fcber CO\u2082-Reduktion, \u00fcber E-Autos, Solaranlagen und nachhaltigen Konsum. Doch all das sind Ma\u00dfnahmen, die h\u00e4ufig nur privilegierten Schichten zug\u00e4nglich sind. Wer Miete zahlt anstatt ein Eigenheim zu besitzen, kann keine Photovoltaik aufs Dach bauen. Wer auf das Auto angewiesen ist, weil Bus und Bahn nicht ausreichend ausgebaut sind, hat wenig Wahl. Klimaschutz darf keine Lifestyle-Frage sein, sondern muss sozial gedacht werden. Sonst bleibt er exklusiv \u2013 und damit ungerecht.<\/p>\n\n\n\n<p>Besonders deutlich wird das an einem scheinbar banalen Thema: Wasser. In vielen Regionen der Welt ist Wasser l\u00e4ngst zur Luxusressource geworden. W\u00e4hrend Golfpl\u00e4tze gr\u00fcn gehalten werden und Pools gef\u00fcllt sind, k\u00e4mpfen Millionen Menschen um sauberes Trinkwasser. Auch in Europa mehren sich die Konflikte um Wasserrechte \u2013 zwischen Landwirtschaft, Industrie und Bev\u00f6lkerung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>Der K\u00f6rper als Klimakampfzone<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Hitze ist nicht abstrakt \u2013 sie ist k\u00f6rperlich. Wer jemals in einem \u00fcberf\u00fcllten Bus im Sommer gefahren ist, wei\u00df, wie l\u00e4hmend sie sein kann. Doch was passiert, wenn dein gesamter Alltag von dieser L\u00e4hmung bestimmt wird? Wenn du unter Medikamenten leidest, keine M\u00f6glichkeit hast, dich abzuk\u00fchlen oder schlichtweg zu arm bist, um dir ein Leben au\u00dferhalb der gl\u00fchenden Stadt zu leisten?<\/p>\n\n\n\n<p>K\u00f6rper werden im Klimawandel zum politischen Raum. Sie zeigen, was falsch l\u00e4uft \u2013 in Schwei\u00df, Ersch\u00f6pfung und Not. Besonders betroffen sind Menschen, deren Stimmen ohnehin selten geh\u00f6rt werden: Alte, Arme, Menschen mit Behinderung, Gefl\u00fcchtete. Ihre Erfahrung der Klimakrise ist nicht die eines entfernten Zukunftsszenarios, sondern gelebter Alltag.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>Was tun?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group is-nowrap is-layout-flex wp-container-core-group-is-layout-6c531013 wp-block-group-is-layout-flex\">\n<p>Klimagerechtigkeit bedeutet, dass nicht nur Emissionen gesenkt-, sondern auch Verh\u00e4ltnisse ver\u00e4ndert werden. Es bedeutet, dass St\u00e4dte begr\u00fcnt und nicht nur \u201esmart\u201c gemacht werden. Dass soziale Infrastruktur genauso wichtig ist wie technische Innovation. Und dass politische Ma\u00dfnahmen nicht nur den Planeten, sondern auch die Menschen sch\u00fctzen \u2013 insbesondere die am st\u00e4rksten gef\u00e4hrdeten.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<p>Es braucht Hitzeschutzpl\u00e4ne, die sich nicht auf Hochglanzbrosch\u00fcren beschr\u00e4nken. Es braucht Mietrecht, das Begr\u00fcnung und K\u00fchlung erm\u00f6glicht. Es braucht globale Solidarit\u00e4t \u2013 auch finanziell. Wer historisch am meisten zur Krise beigetragen hat, muss auch am meisten leisten, um sie abzufedern.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div style=\"height:100px;width:0px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer wp-container-content-6388d5dc\"><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:25%\"><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Doch diese Hitze ist nicht nur eine Wettererscheinung \u2013 sie ist ein Brennglas sozialer Ungleichheit. Der Klimawandel trifft uns alle. Aber nicht alle gleich. 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