{"id":4268,"date":"2025-08-06T20:00:00","date_gmt":"2025-08-06T18:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/ach-dasta.de\/zeitung\/?p=4268"},"modified":"2025-08-11T20:58:14","modified_gmt":"2025-08-11T18:58:14","slug":"wo-das-leben-abschied-nimmt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ach-dasta.de\/zeitung\/blog\/wo-das-leben-abschied-nimmt\/","title":{"rendered":"Wo das Leben Abschied nimmt"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-primary-color has-text-color has-link-color has-x-large-font-size wp-elements-fc1d7bc9e4666f0836207f060bd4d292\"><strong>Ein Besuch im Bestattungsinstitut Kahrhof&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-custom-1-font-size\"><em>von Christine <em>Gerstmaier<\/em><\/em> <em>(06.Aug.2025)<\/em><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:30px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-cover has-aspect-ratio\" style=\"padding-top:var(--wp--preset--spacing--20);padding-bottom:var(--wp--preset--spacing--20);aspect-ratio:3\/2;min-height:unset;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"709\" class=\"wp-block-cover__image-background wp-image-4275\" alt=\"\" src=\"https:\/\/ach-dasta.de\/zeitung\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Bestattung_webseite-1024x709.jpg\" style=\"object-position:50% 60%\" data-object-fit=\"cover\" data-object-position=\"50% 60%\" srcset=\"https:\/\/ach-dasta.de\/zeitung\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Bestattung_webseite-1024x709.jpg 1024w, https:\/\/ach-dasta.de\/zeitung\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Bestattung_webseite-300x208.jpg 300w, https:\/\/ach-dasta.de\/zeitung\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Bestattung_webseite-768x532.jpg 768w, https:\/\/ach-dasta.de\/zeitung\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Bestattung_webseite-1536x1063.jpg 1536w, https:\/\/ach-dasta.de\/zeitung\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Bestattung_webseite-2048x1418.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><span aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-cover__background has-background-dim-0 has-background-dim\"><\/span><div class=\"wp-block-cover__inner-container is-layout-flow wp-block-cover-is-layout-flow\">\n<p class=\"has-text-align-center has-large-font-size\"><\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-center\"><em><sup>Illustration: Margo Sibel Koneberg<\/sup><\/em><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:30px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:25%\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:50%\">\n<div class=\"wp-block-group is-nowrap is-layout-flex wp-container-core-group-is-layout-6c531013 wp-block-group-is-layout-flex\">\n<div style=\"height:100px;width:0px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer wp-container-content-6388d5dc\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained\">\n<p>\u201eTrauer ist der Schatten der Liebe!\u201c \u2013 In kindlicher Handschrift steht dieser Satz auf dem&nbsp; hellbraunen Sarg vor mir. Daneben: kleine Sonnen, Herzen, Blumen und Avocados, wild auf dem&nbsp; Holz verteilt, liebevoll dahin gekritzelt. \u201eDieser Sarg wird einem Verstorbenen ohne Angeh\u00f6rige zur&nbsp; Verf\u00fcgung gestellt\u201c, erkl\u00e4rt mir Senta Kahrhof. Bemalt wurde er von Schulklassen als Teil einer&nbsp; Exkursion, die Kindern den Umgang mit Tod und Trauer n\u00e4herbringen soll.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ich stehe mit ihr im Keller des Bestattungsinstituts Kahrhof. Um uns herum: eine riesige Auswahl&nbsp; an S\u00e4rgen und Urnen \u2013 aus Holz, in Baumrindenoptik, aus Papier, ja sogar ein biologisch&nbsp; abbaubarer Pilzsarg, der aus Myzel gez\u00fcchtet wurde. Inmitten dieser Beh\u00e4ltnisse frage ich mich,&nbsp; wie es wohl sein muss, sich tagt\u00e4glich mit dem Tod zu besch\u00e4ftigen.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr Senta ist dieses Thema allgegenw\u00e4rtig und das bereits seit ihrer Geburt. Sie ist mit dem&nbsp; Bestattungsinstitut Kahrhof gro\u00df geworden. Seit 1860 ist es ein Familienbetrieb, direkt am Rand&nbsp; des Martinsviertels in Darmstadt. \u201eIch bin eine geborene Kahrhof\u201c, sagt Senta mit h\u00f6rbarem Stolz.&nbsp; Obwohl sie inzwischen verheiratet ist, hat sie ihren Nachnamen behalten. Heute f\u00fchrt sie das&nbsp; Unternehmen \u2013 nicht als Bestatterin, sondern als Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin, die ihren Betrieb wie ihre&nbsp; Westentasche kennt. Gemeinsam mit einem Team aus zehn bis f\u00fcnfzehn Bestatter:innen und&nbsp; Aushilfen organisiert sie den Alltag: Personal, Einkauf, Marketing \u2013 all das liegt in ihrer&nbsp; Verantwortung.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left has-primary-color has-text-color has-link-color has-large-font-size wp-elements-1d5a4a901ca29504cc19b92f8f2da693\"><strong>Ein Beruf f\u00fcr Allround-Talente&nbsp;&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Heute darf ich sie kennenlernen. Zum ersten Mal in meinem Leben betrete ich ein&nbsp; Bestattungsinstitut und kann mir kaum vorstellen, wie so ein Ort aussieht, wie er aufgebaut ist und&nbsp; welche Menschen dort arbeiten. Als ich ankomme, nehme ich f\u00fcr einige Minuten im Wartebereich&nbsp; Platz. Die W\u00e4nde sind wei\u00df gestrichen, ein paar gr\u00fcne Pflanzen sind im Raum verteilt. An den&nbsp; W\u00e4nden h\u00e4ngen alte Gem\u00e4lde von Stra\u00dfen und Geb\u00e4uden Darmstadts. F\u00fcr einen Moment f\u00fchle ich&nbsp; mich wie im Wartezimmer einer Arztpraxis \u2013 nur, dass hier statt Menschen in Kitteln zwei M\u00e4nner&nbsp; in eleganter Kleidung durch den Raum laufen. Sie tragen schwarze Anzugshosen und enge&nbsp; schwarze Westen mit hellen Hemden darunter.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Nach einigen Minuten begr\u00fc\u00dft mich Senta. Sie l\u00e4chelt, wirkt selbstbewusst und freundlich, und doch&nbsp; strahlt sie eine gewisse Autorit\u00e4t aus. Offen erz\u00e4hlt sie von ihrem Beruf, und es wird schnell klar:&nbsp; Sie spricht gerne dar\u00fcber. \u201eWenn ich auf einer Party bin und jemand erf\u00e4hrt, dass ich ein&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Bestattungsinstitut leite, bildet sich oft eine Traube von Menschen um mich. Die Leute haben&nbsp; unglaublich viele Fragen\u201c, erz\u00e4hlt sie. Im Bestattungswesen zu arbeiten, scheint viele zu&nbsp; faszinieren. Vielleicht, weil es ein Beruf ist, den sich die meisten selbst nicht zutrauen w\u00fcrden.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Und dieses Gef\u00fchl ist nicht unbegr\u00fcndet. Senta f\u00fchrt mich durch die R\u00e4umlichkeiten und erz\u00e4hlt&nbsp; mir mehr von den vielf\u00e4ltigen Aufgaben als Bestatter:in: \u201eFlexibel muss man sein \u2013 und ein echtes&nbsp; Allround-Talent auch.\u201c Von Rechnungsstellung \u00fcber die Dekoration bis hin zu intensiven&nbsp; Gespr\u00e4chen mit Angeh\u00f6rigen m\u00fcssen Bestatter:innen in allen Bereichen sattelfest sein: organisiert,&nbsp; empathisch, emotional als auch k\u00f6rperlich belastbar.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:30px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p><em>\u201eManchmal sterben Menschen bei 40 Grad im&nbsp; dritten Stockwerk\u201c, sagt Senta. \u201eDa kommt es schon mal vor, dass meine Mitarbeiter:innen in&nbsp; praller Hitze um die hundert Kilo K\u00f6rpergewicht aus dem Haus tragen m\u00fcssen.\u201c&nbsp;<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<div style=\"height:30px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-primary-color has-text-color has-link-color has-large-font-size wp-elements-13157ec350e88af9a7721ee2a48c1811\"><strong>\u201eJeder von uns hat schon getrauert\u201c&nbsp;&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Im Innenhof f\u00fchrt sie mich zu den Bestattungswagen. Hier werden die Verstorbenen transportiert.&nbsp; Senta \u00f6ffnet die hinteren T\u00fcren eines Fahrzeugs und sofort str\u00f6mt mir ein starker undefinierbarer&nbsp; Geruch entgegen. Der Innenraum wirkt steril: wei\u00dfe W\u00e4nde, am Boden Metallschienen, in die&nbsp; Liegen eingefahren und fixiert werden k\u00f6nnen. An der Trennwand zum Fahrersitz h\u00e4ngt ein gro\u00dfes&nbsp; Bild von einem friedlichen gr\u00fcnen Wald. Wahrscheinlich soll es die Atmosph\u00e4re im Wagen weniger&nbsp; k\u00fchl wirken lassen. Bei der Vorstellung, eines Tages selbst in einem solchen Wagen zu liegen, wird&nbsp; mir aber mulmig. Ich merke, wie oft ich dem Thema Tod im Alltag ausweiche. Und ich frage mich,&nbsp; welches Bild Senta wohl vom Tod hat \u2013 eine Frau, die mit Bestattungen regelrecht aufgewachsen&nbsp; ist.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDer Tod ist ein Teil des Lebens\u201c, sagt sie. Viele Menschen glauben, noch keine Erfahrung mit dem&nbsp; Tod gemacht zu haben. \u201eDabei hat jeder von uns schon getrauert \u2013 jedes Mal, wenn wir Abschied&nbsp; nehmen mussten. Wenn wir etwas hinter uns lassen, ein Lebensabschnitt, einen Ort oder einen&nbsp; Menschen, dann trauern wir. Und doch beginnt mit jedem Abschied auch etwas Neues.\u201c F\u00fcr Senta&nbsp; ist klar: Ein Abschied muss nicht zwangsl\u00e4ufig etwas Schlimmes sein.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Trotzdem gibt es Bestattungen, die auch Senta und ihrem Team sehr nahegehen. \u201eWas uns allen&nbsp; immer besonders zu Herzen geht, ist, wenn Kinder oder junge Erwachsene sterben\u201c, erz\u00e4hlt sie.&nbsp; \u201eF\u00fcr meine Mitarbeiter:innen ist es oft besonders belastend, wenn es sich dann auch noch um&nbsp; Verkehrsunf\u00e4lle handelt. Dann m\u00fcssen sie die Verstorbenen teilweise selbst bergen.\u201c Die Trauer,&nbsp; sagt sie, sei in solchen F\u00e4llen im ganzen Betrieb sp\u00fcrbar. Deshalb r\u00e4t Senta angehenden&nbsp; Bestatter:innen, sich bewusst ein Gegengewicht zum Berufsalltag zu schaffen: Eine&nbsp; Freizeitaktivit\u00e4t, an der sie viel Energie tanken k\u00f6nnen und echte Lebensfreude sp\u00fcren. <\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:30px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p><em>\u201eEs ist&nbsp; wichtig ein Kontrastprogramm zu haben, zu dem, was wir hier leisten.\u201c&nbsp;<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<div style=\"height:30px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p>Auch Senta selbst kommt in manchen Momenten nicht darum herum, Angst vor dem eigenen Tod&nbsp; zu empfinden. Nicht unbedingt vor dem Sterben an sich. \u201eWenn ich nicht mehr da bin, dann bin ich&nbsp; nicht mehr da. Ich glaube, es kann sich auch ganz sch\u00f6n anf\u00fchlen, einfach loszulassen\u201c, sagt sie.&nbsp; Was ihr jedoch wirklich Sorge bereitet, ist der Gedanke, ihre Angeh\u00f6rigen, insbesondere ihren&nbsp; Sohn, allein zur\u00fcckzulassen. Selbst wer im Bestattungswesen arbeitet, k\u00f6nne sich der&nbsp; Auseinandersetzung mit dem eigenen Tod und dessen Folgen nicht v\u00f6llig entziehen. \u201eDiese Sorgen&nbsp; legt man nie ganz ab. Ich glaube, kein Mensch kann das wirklich.\u201c Gleichzeitig betont sie, wie&nbsp; wichtig es sei, sich therapeutische Hilfe zu suchen, wenn die Angst vor dem Tod omnipr\u00e4sent wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-primary-color has-text-color has-link-color has-large-font-size wp-elements-cf73a7f75f6dfa2df6a38b845b78cb72\"><strong>Die letzte Feier&nbsp;&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Senta f\u00fchrt mich weiter zu einer gro\u00dfen T\u00fcr. Sie wirft einen pr\u00fcfenden Blick in den Raum, w\u00e4hrend&nbsp; ich hinter ihr warte. Dann gibt sie mir ein Zeichen, dass ich eintreten darf. Der Raum ist gro\u00df und&nbsp; lang, mit hohen Decken. In der Mitte steht eine silberne, metallene Liegefl\u00e4che. Auf einer&nbsp; Arbeitsfl\u00e4che daneben entdecke ich einige Werkzeuge, die mich an chirurgisches Besteck erinnern.&nbsp; \u201eDas ist der Versorgungsraum\u201c, erkl\u00e4rt Senta. Hier werden Verstorbene gewaschen und umgezogen.&nbsp; Manchmal m\u00fcssen auch Wunden zugen\u00e4ht oder der K\u00f6rper auf andere Weise versorgt werden.&nbsp; W\u00e4hrend ich die Liege betrachte, w\u00e4chst mein Respekt vor dem, was Bestatter:innen t\u00e4glich leisten&nbsp; und vor den vielen F\u00e4higkeiten, die dieser Beruf erfordert.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Senta erz\u00e4hlt mir, wie wichtig auch Geduld im Arbeitsalltag ist. Bevor eine Bestattung geplant wird,&nbsp; f\u00fchren die Bestatter:innen lange Gespr\u00e4che mit den Angeh\u00f6rigen. Ab und zu ist Senta selbst bei&nbsp; diesen Gespr\u00e4chen dabei. \u201eManche Angeh\u00f6rigen, mit denen wir sprechen, sind schon \u00e4lter\u201c, sagt&nbsp; sie. \u201eDann redet man bereits eine halbe Stunde miteinander, bis wir pl\u00f6tzlich merken, dass diese&nbsp; Person an Demenz leidet.\u201c Ab diesem Moment w\u00fcrden die Gespr\u00e4che deutlich schwieriger werden.&nbsp; Und trotzdem, sagt Senta, sei gerade dann Geduld besonders wichtig, denn es ist ihr und ihrem Team ein Anliegen, jeden Menschen w\u00fcrdevoll und passend zu seiner Pers\u00f6nlichkeit zu&nbsp; verabschieden.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>In der Trauerhalle erz\u00e4hlt sie mir von besonders individuellen W\u00fcnschen: Es kam schon vor, dass&nbsp; Motorr\u00e4der neben dem Sarg standen oder riesige Konzertfl\u00fcgel transportiert werden mussten. Nicht&nbsp; immer entspr\u00e4chen die Anfragen ihrem eigenen Geschmack. <\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:30px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p><em>\u201eAber ich finde es sch\u00f6n, wenn es&nbsp; individuell ist. Es soll zu den Verstorbenen passen, schlie\u00dflich ist es ihre letzte Feier.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:30px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>&nbsp;&nbsp;Ich bleibe an dem Begriff h\u00e4ngen: <em>Feier<\/em>. Es nimmt der Bestattung etwas von ihrer Bedrohlichkeit,&nbsp; wenn man sie als das versteht, was sie auch sein kann: ein bewusster Abschied, ein Innehalten,&nbsp; vielleicht sogar eine W\u00fcrdigung des gelebten Lebens. \u201eDie Trauerfeier ist ein essenzieller Schritt in&nbsp; der Verarbeitung\u201c, sagt Senta. \u201eDa kommen alle zusammen, oft auch Menschen, die man seit Jahren&nbsp; nicht gesehen hat.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-primary-color has-text-color has-link-color has-large-font-size wp-elements-dc9e311d263165a5f918f4b403e87d91\"><strong>Sprechen statt Todschweigen&nbsp;&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Viele Angeh\u00f6rige h\u00e4tten Angst davor, im Trauercaf\u00e9 mit so vielen Personen konfrontiert zu sein.&nbsp; Doch genau darin sieht Senta einen wichtigen Schritt ins neue Leben. \u201eIch finde es schade,&nbsp; wenn Angeh\u00f6rige sagen, sie m\u00f6chten das Trauercaf\u00e9 nur im kleinsten Kreis abhalten und andere&nbsp; G\u00e4ste ausladen.\u201c Die Entscheidung k\u00f6nne sie nachvollziehen, gerade in Zeiten gro\u00dfer&nbsp; Verletzlichkeit. Doch Senta ist \u00fcberzeugt: Wer ausgeladen wird, f\u00fchlt sich oft nicht nur von der&nbsp; Feier, sondern auch vom Leben der Trauernden ausgeschlossen. H\u00e4ufig w\u00fcrden sich diese&nbsp; Menschen danach nicht mehr melden, aus der Annahme heraus, die Betroffenen wollten lieber&nbsp; allein mit ihrer Trauer bleiben. Dabei sei die Zeit nach der Bestattung eine Phase, in der Angeh\u00f6rige&nbsp; Trost und Gemeinschaft brauchen.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Dadurch, dass dem Thema Tod so oft ausgewichen wird, wissen viele nicht, wie sie mit Trauer&nbsp; umgehen sollen \u2013 weder als direkt Betroffene noch als Freund:innen oder Bekannte. Die Angst,&nbsp; etwas Falsches zu sagen oder sich nicht richtig zu verhalten, ist gro\u00df. Gerade deshalb braucht es&nbsp; Orte, an denen offen \u00fcber Tod und Trauer gesprochen werden kann. Senta f\u00fchrt mich in einen Gemeinschaftsraum neben der Trauerhalle. Hierher kommen regelm\u00e4\u00dfig Schulklassen. Kinder und&nbsp; Jugendliche d\u00fcrfen sich austauschen und Fragen stellen, sowohl zum Beruf als Bestatter:in, aber&nbsp; auch ganz konkret zum Tod.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Menschen wie Senta machen den Tod ein St\u00fcck weit begreifbarer, denn durch das offene Gespr\u00e4ch&nbsp; verliert er etwas von seiner Bedrohlichkeit. Als ich das Bestattungsinstitut verlasse, denke ich an&nbsp; den Satz auf dem bemalten Sarg zur\u00fcck: \u201eTrauer ist der Schatten der Liebe.\u201c Vielleicht liegt darin&nbsp; auch ein Trost \u2013 dass der Tod nicht nur das Ende bedeutet, sondern auch ein Spiegel dessen ist, was&nbsp; im Leben wichtig war.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div style=\"height:100px;width:0px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer wp-container-content-6388d5dc\"><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:25%\"><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich stehe mit ihr im Keller des Bestattungsinstituts Kahrhof. Um uns herum: eine riesige Auswahl\u00a0 an S\u00e4rgen und Urnen \u2013 aus Holz, in Baumrindenoptik, aus Papier, ja sogar ein biologisch\u00a0 abbaubarer Pilzsarg, der aus Myzel gez\u00fcchtet wurde. 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