Ikkimel vs. Coach Aaron: Erste Lektion Selbstermächtigung

von Lucy Medert (10.Mär.2026)

„Frau‘n brauchen kein Schimpfwort, unsre Waffe heißt Giftmord“ ist das schon Drohung, oder darf Kunst so? Neben Ikkimels neuem Song Giftmord, droppten auch einige Kinnladen.

Foto & Edit: Ellie Haase

Das Intro beginnt mit der Stimme von Fitness-Influencer und Testo-Held Coach Aaron. Frauen seien „von Natur aus“ hinterhältiger als Männer. Dafür gibt es, wie soll es anders sein, nur einen Grund: „Weil sie diese Kraft nicht haben“.

Einen kurzen Moment, bevor man zu viel von Coach Aarons Chauvi-Gehabe hat und ausschaltet, rettet Ikkimel mit typischem Hyperpopbeat. Mit schnellen und provokanten Lines nimmt sie sich, was ihr gehört. Die Entscheidung über die Mordwaffe: Statt sich die Finger mit Knarre oder Axt schmutzig zu machen, tötet die Rapperin ihre Männer mit Erdnüssen oder Scherben im Essen. Nicht, wie Aaron akribisch beobachtet haben will, aufgrund fehlender Kraft. Nein, für keinen Mann der Welt würde sich die Feministin aus Tempelhof die Finger schmutzig machen. Die Anti-Baby-Pille nimmt Sie nur aus Rache. Abtreibung sieht sie als ihre Chance, über Leben und Tod von Männern zu entschieden.

Ironisch und überzogen rappt die Berlinerin über Mord, Vergiftung und Röcheln bis zum Tod. Von Mitleid keine Spur. „Ich bleib‘ ruhig und merk‘ mir seine Allergien, Babe. Dann misch‘ ich ihm ’ne Erdnuss unter sein’n Proteinshake“.

Auch wenn Ikkimels selbsternannter „Fotzenstyle“ die Fenster im stickigen Rap-Game öffnet, und ordentlich durchlüftet, weiß man beim ersten Hören des neuen Releases nicht ganz wie einem geschieht. Denn so gut sich der Reclaim-Rap auch anfühlt, die Texte sind knallhart. Makaber, provokant und unangenehm. Man muss sich zwingen, die Ironie nicht zu vergessen und fragt sich dann, ob eine so harte Darstellung wirklich sein muss. Versteht man den Sinn der Sache nicht auch ohne zu polarisieren?

Die Antwort darauf: Nein. In einer Welt in der Frauen aufgrund ihres Geschlechts kleingemacht, bevormundet und getötet werden, da braucht es jemanden der richtig Alarm macht. Dort, wo Ikkimel von Männern leise gedreht wird, weil sie Angst haben ihre Freundin könnte vom „bösen Feminismus“ angesteckt werden und mitsingen. Genau da macht es die 28-jährigerichtig. Mit Provokationen und grotesk gut gelaunten Mordfantasien richtet sie alle Aufmerksamkeit auf sich und zieht patriarchalen Narrativen den Stecker. Die Frage, warum sie als Frau auch noch solche Texte singt, lässt sie erst gar nicht zu. Sie stellt das Publikum vor vollendete Tatsachen. Entwaffnend und erschütternd dreht sie Rollenbilder um und treibt Misogynie bis auf die Spitze, damit auch beim letzten Alpha-Podcast die Zähne klappern.