von Gabriel Becker (25.Mär.2026)
Oer-Erkenschwick liegt mitten im Pott. Eine Stadt, die man nicht unbedingt auf dem Schirm hat und trotzdem war sie vom 13. bis 15. März der richtige Ort für ein Wochenende voller politischer Debatten und gutem Essen. Ralph und ich waren dort bei der Aktionskonferenz „Schlussverkauf Bildung“, einer Kampagne des „freien zusammenschlusses von student*innenschaften“ (fzs e.V.).

Symbolbild | Foto & Edit: Ellie Haase
Was ist eigentlich der Schlussverkauf Bildung?
Professuren werden gestrichen, Gebäude sind marode, das BAföG reicht hinten und vorne nicht. Bundesweit wird Bildung seit Jahren kaputtgespart und der fzs, der Dachverband der Studierendenvertretungen, dem auch unser AStA angehört, hat darauf eine Kampagne gegründet: „Schlussverkauf Bildung„. Die Idee dahinter ist, die vielen dezentralen Kämpfe an einzelnen Hochschulen sichtbar zu machen und zu bündeln. Zur Aktionskonferenz kamen rund 20 Leute zusammen: Studierende aus verschiedenen Hochschulen, Schüler*innen und Mitglieder der Falken, in deren Haus wir auch untergebracht waren.
Ästhetik des Protests
Timon Wißfeld, Designtheoretiker und Philosoph, fragte in seinem Vortrag „Gesicht zeigen gegen rechts?“ nicht nur, ob wir protestieren sollten, sondern wie – welche Bilder, welche Sprache, welche Form. Das klingt erstmal abstrakt, hat aber Konsequenzen für alles, was wir im Bildungskampf tun. Wißfeld arbeitet als Gestalter für NS-Gedenkstätten und gedenkpolitische Initiativen und hat dabei einen Blick entwickelt, der weit über Plakat- und Kampagnenästhetik hinausgeht: Wie erinnern wir, was zeigen wir, was lassen wir weg und was sagt das über uns als Gesellschaft? Einer dieser Momente, in denen man merkt, wie viel größer ein Thema gedacht werden kann.
Wer mehr von ihm hören will: Sein Podcast „… womit wir alle nicht mehr fertig werden.“ beschäftigt sich mit Erinnerungskultur, Antisemitismus und kritischer Gesellschaftstheorie – und ist eine echte Empfehlung.
Wem gehört die Stadt – und wem das Studium?
Rahel Schüssler, Referentin für BAföG und studentisches Wohnen beim fzs, hat einen Vortrag über Gentrifizierung, studentisches Wohnen und BAföG gehalten. Wer in Darmstadt schon mal eine Wohnung gesucht hat, weiß: Das ist kein Randthema. Während in den Innenstädten Matcha-Latte-Cafés aus dem Boden schießen, suchen Studierende monatelang nach bezahlbarem Wohnraum und finden ihn oft nicht.
Ein Teller sagt mehr als tausend Worte
Und immer wieder wurde von einem Gericht gesprochen: dem Taxiteller! Ein Imbiss-Klassiker aus dem Pott. Ein griechischer Teller mit Gyros, Tsatsiki, Zwiebeln, Pommes und Currywurst. Am Samstag haben wir uns dann mit einem Taxiteller belohnen können.
Planen statt klagen
Neben den Vorträgen gab es eine Zukunftswerkstatt zu #SchlussverkaufBildung, eine Social-Media-Werkstatt und den Austausch mit anderen Studierendenvertretungen darüber, was bei Aktionen gegen Sparmaßnahmen wirklich funktioniert und wie wir unsere Erkenntnisse in die Studierendenschaften bringen.
Das Ergebnis ist unter anderem ein gemeinsamer Aktionstag
am 17. Juni mit bundesweiten Kundgebungen gegen den Schlussverkauf der Bildung.


