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Das Feedback-Festival

von Steffen Buchmann

Es kommt nicht auf die Größe an. Vielmehr zählen die Reaktionen des Publikums, während der Film über die Leinwand flimmert. Die Filmschaffenden sitzen selbst unter den Zuschauern, nehmen im dunklen Kinosaal neben der Projektion jedoch noch einiges mehr wahr: das Kichern, Schnaufen, Luftschnappen, vielleicht sogar Seufzen. Anhand solcher Flüchtigkeiten können die Filmteams bereits erahnen, wie das gesichtslose Publikum des „Aftermath“ ihr Werk aufnimmt. Denn von der Überwindung zur Filmeinreichung bis zur abschließenden Fragerunde profitieren alle anwesenden „Motion Pictures“-Studierenden in der Dieburger Aula am 8./9. Dezember 2021: vom Erst- bis zum Bachelorsemester.

Eline und Ellen haben alle Hände voll zu tun. Die beiden MoPis haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Werkschau der Filmstudierenden wieder an den Dieburger Mediencampus zurückzubringen. Die Vorbereitungen während der noch anhaltenden Corona-Pandemie fallen jedoch umfangreicher als erwartet aus, erzählt Eline. Enge Absprachen mit Dekanat und Studienleitung sowie die Ausarbeitung eines umsetzbaren Hygienekonzepts sind nur zwei von vielen Aufgaben, die zusätzlich zur umfangreichen organisatorischen und programmtechnischen Planung anfallen. Doch das Team um die beiden Filmstudentinnen nahm diese Hürden gerne auf sich. Denn ein Präsenzfestival, selbst unter strengen 3G-Plus-Auflagen, bringe immense Vorteile mit sich.

Das „Aftermath“ ist viel mehr als bloß ein hochschulinternes Filmfestival, merkt Eline an. Viele Filmstudierende motivieren und inspirieren sich gegenseitig durch das Zeigen und Besprechen ihrer Werke. Insbesondere die anschließenden Fragerunden zeigen dem Publikum neue Kniffe und Arbeitsweisen auf, wohingegen die Filmteams vom Feedback der Zuschauer profitieren und mitunter unfertige Projekte weiter formen können. Da das „Aftermath“ allen Studiengänge und Semestern des Mediencampus offensteht, bietet es einen interdisziplinären Raum mit immensem Inspirationspotenzial. So reichten auch Studierende des Studiengangs „Animation & Game“ Animationsfilme ein, die beim Publikum großen Anklang fanden, berichtet Eline.

Die eingereichten Filmprojekte haben Eline und Ellen nach vorheriger Sichtung in gemischte Programmblöcke auf die beiden Festivaltage verteilt. So sollen die Besucher an beiden Tagen ein abwechslungsreiches Programm zu sehen bekommen, um am Ende über ihren Favoriten abzustimmen. Als kleiner Ansporn winkten den drei Bestplatzierten Gutscheine des Filmtechnikverleihs MBF, die sich letztlich Maria Petzoldts Animationsfilm „The Nightmare Artist“ (100 €-Gutschein), Leonard Minks Polizeidrama „Mauer des Schweigens“ (150 €-Gutschein) und Tanja*Tajo Hurrles Coming-of-Age-Film „Weil ich Leo bin“ (500 €-Gutschein) sichern konnten. Es solle jedoch nicht hauptsächlich um die Preise gehen, so Eline. Der Austausch untereinander stehe klar im Mittelpunkt, schließlich sei das „Aftermath“ ein Feedback-Festival.

Eine Onlinevariante des „Aftermath“ wie im Vorjahr kam aufgrund des großen Helferbedarfs nicht in Frage, erklärt Eline. Denn neben der Helferakquise sei auch die Menge an Filmeinreichungen überschaubar gewesen. „Wir mussten nochmal auf allen Kanälen kräftig die Werbetrommel rühren, darauf meldeten sich aber glücklicherweise nochmal einige Studierende mit Filmprojekten.“ Auch konnte die Siebtsemestlerin spontan noch Gisela Waetzoldt-Hildebrandt vom Filmhaus Frankfurt für einen Vortrag zum Thema „Marketing von Kurzfilmen“ engagieren, was das „Aftermath“ noch um einen praktischen Mehrwert bereicherte.

Die oberen Ränge der holzvertäfelten Aula sind mit rot-weißem Flatterband abgesperrt. Unter den strengen Auflagen dürfen maximal 100 Personen nach vorheriger Anmeldung am „Aftermath“ teilnehmen. Knapp die Hälfte soll sich in den beiden Tagen auch tatsächlich am Dieburger Campus einfinden. Das stört jedoch weder Eline noch Ellen, im Gegenteil: Sie freuen sich trotz Maske merklich über jeden Neuankömmling. Bewaffnet mit Klemmbrett und Kugelschreiber, lassen sie die Studierenden nach erfolgreicher Kontrolle der Anmeldeformalien in den Saal strömen. Parallel richten engagierte Helfer quer durch alle Media-Studiengängen die aufwendige Bühnentechnik ein. Die soll jedoch später noch einige Probleme machen, weshalb sich die Begrüßung durch die beiden Moderatorinnen verzögern wird. Aber das stört niemanden im Saal, im Gegenteil: Der euphorische Applaus des Publikums ist den beiden ebenso gewiss wie den Filmteams. Denn beim „Aftermath“ wolle man nicht alles zu ernst nehmen, erklärt Eline augenzwinkernd. „Der Spaß am gemeinsamen Filme erleben und Erfahrungen austauschen soll für alle im Vordergrund stehen. Wir sind ja schließlich keine Berlinale 2.0.“

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