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Der lange Weg zum Deutschlandticket – und wie ihr sparen könnt

Von Marco Schüler (29. Juni 2023)

Fast ein Jahr ist es mittlerweile her, dass die Bundesregierung das Reisen innerhalb von Deutschland kurzum revolutioniert hat. Das 9-Euro-Ticket sorgte für eine niederschwellige Mobilität und günstige Reisen, wie wir sie in Deutschland noch nie zuvor erlebt haben. Dann wurde es sehr lange sehr still um den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) innerhalb der deutschen Grenzen. Irgendwie wäre es ja auch zu einfach gewesen, für ein derartig fortschrittliches Modell eine Alternative zu haben, die man den Bürgern hätte präsentieren können. Also ging es erst einmal zurück zum alten Modell: teure Fahrten und ein Flickenteppich aus Tarifgebieten, die an deutsche Grenzen vor Reichskanzler Bismarck erinnerten. Eigentlich schade, denn auch wir Studierenden profitierten enorm von der einfachen Regelung des 9-Euro-Tickets. 

Illustration: Karoline Hummel

Hier in Darmstadt bedeutete das Ticket auch: Geld zurück in schweren Zeiten. Denn nach Verrechnung mit dem Semesterbeitrag blieb einiges an Euros übrig, die die h_da an uns Studierende zurück überwies. Die Nachfolgeregel kann da nicht ganz mithalten, aber: Es gibt sie! Das 9-Euro-Ticket wurde durch das sogenannte “Deutschlandticket” ersetzt, das man seit Mai bundesweit für 49 Euro (daher oft auch „49-Euro-Ticket“ genannt) erwerben kann. Lange Zeit hatten diverse studentische Gremien in Deutschland befürchtet, dass Studierende hierbei komplett übergangen werden oder man erst viel zu spät an sie denken würde, aber es gab ein Licht am Ende des Bahntunnels. Denn für Studierende in Darmstadt kostet das Ticket inzwischen bedeutend weniger. Wie ihr an das günstigere Ticket kommt, erklären wir euch hier noch einmal kurz:

How to: Geld zurück

Kurz gesagt: Seit dem 1. Juli besteht die Möglichkeit, dass ihr euer RMV-Semesterticket zu einem Deutschlandticket upgraden könnt und dabei “nur” die Differenz zum Semesterticket bezahlen müsst. Berechtigt zum Kauf des Upgrades ist jede*r, der*die ein gültiges Semesterticket des RMV besitzt, also an der h_da als studierende Person immatrikuliert ist. Unter dem Link Identity Provider der Hochschule Darmstadt (h-da.de) müsst ihr euch mit euren Uni-Zugangsdaten, wie ihr sie auf “my hda” nutzt, einloggen und könnt mit dem Kauf fortfahren. Hier habt ihr die Möglichkeit, auch für den aktuell laufenden Monat oder die kommenden Monate ein Deutschlandticket zu erwerben – und das für 26,46 Euro pro Monat, statt der regulären 49 Euro. Wichtig: Das digitale D-Ticket kann auf dem Smartphone (eWallet) gespeichert werden, damit es auch offline vorzeigbar ist. Inzwischen könnt ihr als Zahlungsmittel sowohl ein SEPA Lastschriftverfahren als auch eine Kreditkarte oder aber PayPal angeben. Wer schon ein reguläres „49-EUR-Ticket“ im Abo hat, müsste dieses kündigen und kann dann auf das Upgrade für das Deutschlandticket über den oben aufgeführten Link umsteigen. Mit eurem upgegradeten Ticket könnt ihr anschließend den kompletten Nah- und Regionalverkehr in Deutschland nutzen. Wichtig: Das Angebot für das Ticket bleibt freiwillig! Es ist also niemand gezwungen, sich das Deutschlandticket oder das Upgrade zu kaufen. Wer allerdings ein wenig Geld sparen möchte, hat hier die Chance!

Endlich eine Lösung – aber warum so spät?

So sehr ich mich über die Möglichkeit freue, dass wir als Studierende diese Art der Mobilität günstiger nutzen können, so deutlich möchte ich allerdings auch noch einmal hervorheben, wie lange mal wieder gedauert hat, die Voraussetzungen für das Deutschlandticket zu schaffen. Wer beim 9-Euro-Ticket mit der Bahn gereist ist, weiß spätestens seit diesem Zeitpunkt, wie sich Klaustrophobie anfühlen muss. Denn das völlig überlastete Bahnsystem hat uns gezeigt, wie wichtig und vor allem wie gefragt ein günstiger und für alle zugänglicher ÖPNV eigentlich ist! Dass es nach dem Auslaufen dieses Erfolgsmodell gut ein Dreivierteljahr gedauert hat, bis man eine Nachfolgelösung fand, die dann auch noch sozial weit weg von Gerechtigkeit ist, ist unserer Meinung nach äußerst fragwürdig. Der RMV hat dafür gesorgt, dass wir an der h_da ein schnelles Upgrade  ermöglicht bekommen und frühzeitig eine Vergünstigung für das Deutschlandticket erhalten können. Der Blick auf andere Hochschulen und Universitäten (auch in näherer Umgebung) zeigt jedoch, dass das nach wie vor bei weitem nicht jeder studierende Mensch von sich behaupten kann. So wird es beispielsweise in Mainz noch bis zum Winter keine Möglichkeit für Studierende geben, ihre Semestertickets zu einem Deutschlandticket umzuwandeln.

Auch und vor allem hier zeigt sich, dass Studierende meist – und wenn überhaupt – dann zuletzt mitgedacht werden. Ähnlich wie bei der 200-Euro-Einmalzahlung für Studierende sehen wir hier erneut, dass es keinerlei Priorität hat, dafür zu sorgen, dass Menschen sich auch während ihres Studiums wirklich auf ihre Ausbildung konzentrieren können. Denn die soziale Realität ist die, dass Studierende am Ende des Monats eben doch auf jeden Cent schauen müssen, obwohl sie einen oder gar mehrere Jobs während des eigentlichen Studiums ausüben, um sich ihre eigene Ausbildung leisten zu können. Die Möglichkeit eines bezahlbaren ÖPNV ist toll – kommt aber zu spät. Und vor allem ist sie aus den verschiedensten Gründen noch lange nicht flächendeckend. So entsteht sogar auf so engem Raum wie dem Rhein-Main-Gebiet eine soziale Ungleichheit, die es eigentlich um jeden Preis zu vermeiden gilt. Darüber kann auch die Möglichkeit eines Semesterticket-Upgrades nicht hinwegtäuschen.

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