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Elemente einer subjektiven Wirklichkeit

von Leon Weller (10.01.2024)

Wir alle träumen. Dabei sind Träume Elemente einer subjektiven Wirklichkeit, zu der nur wir selbst einen Zugang haben. Zugegeben, dieser Zugang ist nicht gerade direkt. Wir erinnern uns häufig nur an Bruchstücke, einzelne Elemente oder Stimmungen. Wenn es also schon schwierig ist, sich selbst im Zustand wachen Bewusstseins mit seinen eigenen Träumen auseinanderzusetzen, ist es folglich umso schwieriger, sich mit anderen Menschen über eigene oder deren subjektive Traumwelt auszutauschen. Um die Grenzen unserer Alltagssprache zu umschiffen, können wir uns hierfür der Kunst in ihren verschiedenen Formen bedienen. Gedichte, Musik oder Bilder sind nutzbar, um unseren Mitmenschen verschiedenste Eindrücke zu kommunizieren.

„entrückt“, Fotografie von Leon Weller

In manchen Träumen scheinen wir ein verändertes Körpergefühl zu haben. So hatte ich beispielsweise schon das Erlebnis, im Traum deutlich größer zu sein als im wirklichen Leben. Das daraus resultierende seltsame Gefühl, den Bezug zum eigenen Körper ein wenig verloren zu haben, kann man im Bild „entrückt“ erkennen.

„Alter Ego“, Fotografie von Leon Weller

Der oben erwähnte Aspekt, dass man sich im wachen Zustand nur bedingt an seine Traumwelt erinnert, kann einen zur Vorstellung kommen lassen, dass es neben dem wachen Ich ein Alter Ego gibt, das träumende Ich.

„Wandler“, Fotografie von Leon Weller

Die Gestalt im Bild „Wandler“ ist nur schemenhaft zu erkennen, eher zu erahnen. Ähnlich ist es in manchen Traumszenen, in denen man etwas nicht aktiv sehen oder hören kann, aber schlicht und einfach weiß, dass es sich zum Beispiel im Nebenraum befindet oder auch losgelöst von Räumlichkeit einfach irgendwie existiert. Dabei können diesem Etwas auch ohne Weiteres mit großer Sicherheit Attribute oder Absichten zugeschrieben werden, während es auf anderen Ebenen abstrakt bleibt.


Technisches Vorgehen
Für Interessierte hier noch einige Infos zu den technischen Hintergründen der Fotografien

Die hier zu sehenden Bilder sind als Teil eines Fotoprojekts entstanden, in dessen Rahmen ich mit Langzeitbelichtungen experimentiert habe. Dabei handelt es sich um eine technische Spielart der Fotografie, bei der die Belichtungszeit ungewöhnlich lange ist. Die Blende im Objektiv ist also besonders lange geöffnet und lässt so über den Zeitraum von zum Beispiel mehreren Sekunden oder Minuten Licht auf den Film, oder bei moderneren Kameras auf den Sensor fallen. Das hat in der Regel zur Folge, dass Motive, die in Bewegung sind, verwischen, oder dass das ganze Bild „verwackelt“, wenn man ohne Stativ fotografiert.

Zu erkennen ist hier beispielsweise die Bewegung der auf die Kamera gerichteten Lichtquelle beim Bild „Wandler“ oder die Bewegung meines Fotomodells im Bild „entrückt“. „Alter Ego“ mag auf den ersten Blick zwar aussehen wie eine Mehrfachbelichtung (sozusagen zwei übereinandergelegte Fotos), ist aber tatsächlich auch eine Langzeitbelichtung. Die Bewegung des Modells wird allerdings nicht abgebildet, da ich währenddessen das Licht abgedeckt habe. Die partielle Ausleuchtung kommt zu Stande, da die kleine Lampe über die verschiedenen Körperpartien bewegt wurde. Diese Abläufe bildeten eine zehn Sekunden lange Choreografie, die wir mehrfach probten, bevor das Ergebnis gelang.


Mehr Fotografie von Leon findet ihr hier:

English version (automated translation):

Elements of a subjective reality

by Leon Weller (10.01.2024)

We all dream. Yet dreams are elements of a subjective reality to which only we ourselves have access. Admittedly, this access is not exactly direct. We often only remember fragments, individual elements or moods. So if it is already difficult to deal with one’s own dreams even in a state of waking consciousness, it is consequently all the more difficult to talk to other people about one’s own or their subjective dream world. In order to circumvent the limits of our everyday language, we can make use of art in its various forms. Poems, music or pictures can be used to communicate a wide range of impressions to our fellow human beings.
We all dream. Yet dreams are elements of a subjective reality to which only we ourselves have access. Admittedly, this access is not exactly direct. We often only remember fragments, individual elements or moods. So if it is already difficult to deal with one’s own dreams even in a state of waking consciousness, it is consequently all the more difficult to talk to other people about one’s own or their subjective dream world. In order to circumvent the limits of our everyday language, we can make use of art in its various forms. Poems, music or pictures can be used to communicate a wide range of impressions to our fellow human beings.

„abstracted“, photography by Leon Weller

In some dreams, we seem to have an altered body sensation. For example, I have had the experience of being significantly taller in my dreams than in real life. The resulting strange feeling of having lost touch with your own body a little can be seen in the picture „abstracted“.

„alter ego“, photography by Leon Weller

The above-mentioned aspect that we only remember our dream world to a limited extent when we are awake can lead us to believe that there is an alter ego, the dreaming ego, alongside the waking ego.

„walker“, photography by Leon Weller

The figure in the picture „walker“ is only vaguely recognizable, more like a hint. It is similar in some dream scenes, in which you cannot actively see or hear something, but simply know that it is in the next room, for example, or that it simply exists somehow, detached from spatiality. Attributes or intentions can be ascribed to this something with great certainty, while it remains abstract on other levels.

Technical procedure
For those interested, here is some more information about the technical background to the photographs

The pictures you see here were taken as part of a photo project in which I experimented with long exposures. This is a technical type of photography in which the exposure time is unusually long. The aperture in the lens is open for a particularly long time, allowing light to fall on the film or, in the case of more modern cameras, on the sensor over a period of several seconds or minutes, for example. As a rule, this results in moving subjects becoming blurred or the entire image becoming „blurred“ if you take photos without a tripod.

For example, you can see the movement of the light source directed at the camera in the „Wandler“ picture or the movement of my model in the „entrückt“ picture. At first glance, „Alter Ego“ may look like a multiple exposure (two superimposed photos, so to speak), but it is actually also a long exposure. However, the movement of the model is not depicted, as I covered the light during the exposure. The partial illumination comes about because the small lamp was moved over the various parts of the body. These sequences formed a ten-second choreography, which we rehearsed several times before the result was successful.

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