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Rauch im Keller: Enttäuscht, aber nicht überrascht

von Marco Schüler (05.06.2024)

Illustration: Margo Sibel Koneberg

Man stelle sich vor, man kommt morgens völlig glücklich und zufrieden in die Hochschule in Dieburg. Ein seltenes Phänomen, immerhin ist es Dieburg. Man ist ein wenig früher als sonst da, weil man noch die Zeit nutzen wollte, um zu arbeiten. Das Seminar beginnt normalerweise um 8:30 Uhr, heute soll es jedoch eine Viertelstunde später losgehen. Also setzt man sich in den Unterrichtsraum und fängt an zu schreiben. Das liegt im Journalismus-Studium in der Natur der Sache.

Jetzt stelle man sich außerdem vor, dass man zu dritt in diesem Lehrraum sitzt. Zwei übermotivierte Studis und ein fanatischer Kettenraucher, der die extra Viertelstunde noch einmal nutzen möchte, um sich möglichst viel Teer in die Lunge zu kleistern. Der Kettenraucher ist einer deiner engsten Freunde. Rauchen kann er um die Uhrzeit und bei dem regnerischen Wetter aber auch allein. Er lässt seinen Laptop und sein Portemonnaie zurück, um seine morgendliche Dosis Rauch zu bekommen. Ein wichtiges Detail in dieser kleinen Geschichte. Euer enger Freund verlässt den Raum, schließt die Tür und geht. Gute 15 Minuten später fangt ihr an, euch zu wundern, warum er nicht wieder zurück ist. Vielleicht hat er seinen Studiausweis zum Öffnen der Tür in seinem Geldbeutel vergessen? Ihr steht auf, geht zur Tür und schaut, ob er eventuell draußen davor gestrandet ist. Doch anstatt eurem Freund hört ihr nur ein sehr dumpfes Surren. Ein Surren, das kaum wahrnehmbar einem Alarm ähneln könnte. Ihr dreht euch wieder in euren Raum und schaut eure Kommilitonin an, die seit zwanzig Minuten mit euch dort sitzt und ebenfalls schreibt. “Hörst du das auch?” “Was jetzt?” ”Na dieses seltsame Surren. Denkst du, dass das ein Alarm ist?” “Nee. Das ist viel zu leise”. Ihr denkt also nichts Böses, beschließt aber mal auf eurem Handy nachzuschauen, ob es es Neues von der Raucherfront gibt. 

Zwei verpasste Anrufe. Fünf Nachrichten auf WhatsApp. Ein Bild mit Feuerwehrleuten im Treppenhaus des Gebäudes, in dem ihr sitzt und ein dramatisches “Ihr müsst da raus” klingen dann doch nicht mehr so harmlos, wie erhofft. Aber man wird uns hier nicht vergessen haben, denkt ihr euch. Ihr schaut eure Kommilitonin an, erzählt ihr, welche vielsagenden Nachrichten auf eurem Handy eingegangen sind und sagt: “Es ist bestimmt ein Probealarm. Aber ich glaube, dass wir dann langsam mal raus sollten.” Ihr packt eure Sachen, du nimmst auch die deines Raucherfreundes mit und ihr verlasst den Raum. Ihr geht durch die große Flügeltür des Flures. Als du heraustrittst, hörst du den Alarm dann endlich auch laut und deutlich. Ihr geht das Treppenhaus herunter und hört ein lautstarkes und wenig beruhigendes: “WAS MACHT IHR DENN HIER, DAS GEBÄUDE IST SEIT 20 MINUTEN VOLLSTÄNDIG EVAKUIERT UND GESPERRT!!!” – irgendwie weniger cool. Aber so passiert am 22.05. in Dieburg. 

Im Keller des Gebäudes F16 war es während Bauarbeiten zu einer größeren Rauchentwicklung gekommen, welche die Brandmeldeanlage ausgelöst hatte. So weit, so schlecht  – wenn auch ungefährlich. Die Brandmeldeanlage machte genau das, was sie sollte. Die Sicherheits- und Brandschutztüren im Gebäude schlossen automatisch und der Alarm machte lautstark darauf aufmerksam, dass sich hier niemand mehr aufhalten sollte. Also überall, außer eben in dem Raum, in dem du bis eben noch gesessen hast. Was mir am Anfang noch recht witzig vorkam, wurde dann doch relativ schnell ernst: Was wäre, wenn es wirklich ernsthaft gebrannt hätte? So richtig mit Gefahr für Leib und Leben? Wäre , ich ohne es zu merken, im Raum geblieben? Hätte man aus dem Fenster springen sollen? Warum funktionierte der Alarm nicht oder nur so, dass man ihn in einem geschlossenen Lehrraum nicht hören konnte? Haben wir am Campus jemals eine Brandschutzübung gemacht, um zu sehen, was zu tun ist, wenn man wirklich in diese Situation kommt? Warum läuft der Lehrbetrieb in anderen Teilen des Campus normal weiter, wenn überall Feuerwehrautos mit Blaulicht stehen? Alles Fragen, die ich nicht beantworten kann. Außer die mit der Brandschutzübung – denn seit ich in Dieburg studiere, was nun seit sechs Semestern der Fall ist, habe ich noch nie eine machen müssen. 

Auf die scheinbar defekte Alarmanlage in Gebäude F16 konnte das Dekanat noch am selben Tag hingewiesen werden. Hier versprach man, dass man umgehend Abhilfe schaffen und die Anlagen überprüfen lassen würde. Beruhigend! Sollte es nicht erst gar nicht so weit kommen? Auf jeden Fall. Die schnelle Reaktion von Seiten des Dekanats, welches noch am selben Tag auf unsere Anfrage antwortete, macht aber Hoffnung, dass man sich dem Sachverhalt auch wirklich annimmt.

English version (automated translation):

Smoke in the Basement: Disappointed but Not Surprised

by Marco Schüler (05.06.2024)

illustration: Margo Sibel Koneberg

Imagine coming to the university in Dieburg in the morning, completely happy and content. A rare phenomenon, given that it’s Dieburg. You arrive a little earlier than usual because you wanted to use the time to work. The seminar normally starts at 8:30 AM, but today it’s supposed to start fifteen minutes later. So, you sit in the classroom and start writing. That’s the nature of studying journalism.

Now, imagine sitting in this classroom with two other people. Two overly motivated students and a fanatic chain smoker who wants to use the extra fifteen minutes to plaster as much tar into his lungs as possible. The chain smoker is one of your closest friends. He can smoke at this hour and in this rainy weather alone. He leaves his laptop and wallet behind to get his morning dose of smoke. An important detail in this little story. Your close friend leaves the room, closes the door, and goes. A good 15 minutes later, you start to wonder why he hasn’t come back yet. Maybe he forgot his student ID to open the door in his wallet? You get up, go to the door, and check if he’s stranded outside. But instead of hearing your friend, you hear a very faint humming. A humming that could faintly resemble an alarm. You turn back into your room and look at your fellow student who has been sitting with you for the past twenty minutes also writing. “Do you hear that too?” “What now?” “That weird humming. Do you think it’s an alarm?” “Nah. It’s way too quiet.” So, you don’t think anything of it but decide to check your phone for any news from the smoking front.

Two missed calls. Five messages on WhatsApp. A picture of firefighters in the staircase of the building you’re in and a dramatic “You need to get out” don’t sound as harmless as hoped. But they wouldn’t have forgotten us here, you think. You look at your fellow student, tell her about the significant messages you received on your phone, and say, “It’s probably a drill. But I think we should slowly get out.” You pack your things, take your smoker friend’s belongings too, and leave the room. You walk through the large double doors of the hallway. As you step out, you finally hear the alarm loud and clear. You go down the staircase and hear a loud and not very reassuring: “WHAT ARE YOU DOING HERE? THE BUILDING HAS BEEN COMPLETELY EVACUATED AND LOCKED DOWN FOR 20 MINUTES!!!” – somehow less cool. But that’s what happened on May 22nd in Dieburg.

In the basement of building F16, there was significant smoke development during construction work, triggering the fire alarm system. So far, so bad – albeit not dangerous. The fire alarm system did exactly what it was supposed to do. The safety and fire doors in the building closed automatically, and the alarm loudly indicated that no one should stay here. Everywhere, except in the room where you were sitting until a moment ago. What seemed quite funny at first quickly became serious: What if there had been a real fire? A serious one with a danger to life and limb? Would I have stayed in the room without noticing? Should we have jumped out the window? Why didn’t the alarm work, or only in such a way that you couldn’t hear it in a closed classroom? Have we ever had a fire drill on campus to see what to do if you really find yourself in this situation? Why does teaching continue in other parts of the campus when there are fire trucks with flashing lights everywhere? All questions I can’t answer. Except the one about the fire drill – because since I’ve been studying in Dieburg, which has now been for six semesters, I’ve never had to participate in one.

The dean’s office was informed about the apparently defective alarm system in building F16 on the same day. They promised to take immediate action and have the systems checked. Reassuring! Should it not come to this in the first place? Absolutely. But the quick response from the dean’s office, which responded to our inquiry on the same day, gives hope that the matter will be addressed seriously.

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