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Leere Mägen & verpuffter Appetit

Kommentar Von Marco Schüler

Wer kennt es nicht: Man sitzt in der Lehrveranstaltung, der Magen fängt an zu knurren und so richtig konzentrieren kann man sich eigentlich nicht mehr. Längst ist man aus dem Gerede der Lehrperson ausgestiegen und hat nur noch die herannahende Mittagspause im Kopf, um endlich etwas zu essen und den Hunger zu bekämpfen. Ich kenne das nicht – denn ich studiere in Dieburg.

Lasst mich vorwegsagen: Das Studierendenwerk Darmstadt (stwda) kann nicht ausschließlich etwas dafür, wie die Mensa in Dieburg wirkt. Viel zu groß ist die Räumlichkeit, viel zu kalt, viel zu uneinladend. Die Fenster sind immer ein wenig versifft, die Toiletten haben klassischen 50er-Charme und die Gitterstäbe an den Treppen machen es auch nicht unbedingt heimeliger in dem Speisesaal – das sind bauliche Begebenheiten. Wofür das stwda etwas kann, ist hingegen das Essen. Und passend zu den Gitterstäben auf der Treppe, erinnert auch das regelmäßig an’s Gefängnis.

Ein teures Vergnügen

Wer in Dieburg speist, der hat wirklich keine Lust auf weite Wege in die Innenstadt, keine Zeit für Meal-Prepping (zu Deutsch: Daheim kochen und wegtuppern) oder schlichtweg zu wenig Geld für etwas anderes. Unter diesem Aspekt kann man jede studierende Person verstehen, die freiwillig ihr Mittagessen in der Mensa zu sich nimmt. Aber selbst für dieses Argument ist die Mensa oft schlicht zu teuer. Nicht selten haben Kommiliton:innen scherzhaft erzählt, dass sie einen Kleinkredit aufnehmen mussten, nachdem sie an der Salatbar eine Tomate zu viel in ihre Schüssel haben fallen lassen. Wer satt werden möchte, der muss zu den Hauptgängen gut und gerne noch weitere Beilagen addieren. Der Nachtisch kostet ebenfalls Extra. So wird das Loch im Portemonnaie am Ende des Tages immer größer. 

Faire Preise?!

Nicht, dass es hier um Unsummen geht – bei aller Liebe nicht. Aber es geht darum, dass das Angebot der Dieburger Mensa im Gefühl der Studierenden eher zu teuer anstatt preis-leistungsmäßig gerechtfertigt ist. In einer Mail vom Studierendenwerk wurde der Vergleich zwischen den Preisen von Unternehmen auf dem freien Markt und innerhalb des stwda gezogen. So würde “eine Currywurst mit Pommes” bei einer Wurstbude in der Nähe des Darmstädter Luisenplatzes 4.60 Euro kosten, während man beim stwda dafür 3.90 verlangt. Eine Salattheke würde in einer Supermarktkette auf 100 Gramm mit 1.25 Euro berechnet, während man beim Studi-Werk nur 1 Euro verlangt. Und ein Schollenfilet mit Kartoffelsalat würde mit 4.80 zu Buche schlagen, während ein ähnliches Angebot bei einer Fisch-Restaurant-Kette gut und gerne das doppelte Kostet. Der Vergleich hinkt – und er hinkt gewaltig. Denn während es sich dabei um wirtschaftlich (im besten Fall) rentable Unternehmen handelt, ist das stwda als Mensabetreiber eine Anstalt öffentlichen Rechts. NICHT gewinnorientiert – steht so zumindest drauf. Der blanke Vergleich könnte böse Zungen vermuten lassen, dass es damit nicht immer so eng genommen wird. 

Unsere liebsten Mensa-Momente:

Mal ganz vom Preis abgesehen: Wie genießbar ist das Essen hier wirklich, wenn ich es mit dem Vergleiche, was ich andernorts oder in meiner eigenen Küche für einen ähnlichen, wenn nicht besseren Preis bekomme? Hat einer der Text-lesenden Menschen schon einmal eine Pilzpfanne in Dieburg gegessen? Beim letzten Mal haben im Nachhinein allein in meinem Bekanntenkreis vier Menschen über Bauchschmerzen geklagt.

Make Mensa great again!

Und während in Darmstadt ein neues Restaurant auf dem Campus eröffnet wurde, gab es in Dieburg in meinem zweiten Semester, welches offiziell wieder komplett in Präsenz stattfand, nicht einmal eine geöffnete Beilagen-Theke. Geschweige denn eine Salat-Bar. Fast täglich bekommt man Dinge serviert, die so vorher nicht in der Mensa-App ausgeschrieben waren, egal ob man nun zu Öffnungsbeginn oder kurz vor Schließung kommt. Die Mensakarte kann in Dieburg – einem eigenständigen Teil der Hochschule, die fast 35 Minuten mit dem Bus entfernt liegt – nur mit Bargeld aufgeladen werden. Geldautomat? Fehlanzeige. Digitalisierung? Fehlanzeige. Dozierende, die vom Essen in der Mensa abraten, Kommiliton:innen die lieber täglich in einen Supermarkt laufen und dort Snacks besorgen und Bauchkrämpfe, die über die Gänge dröhnen – das alles macht unseren Mensa-Standort so “besonders”. Und mal wieder bleibt nur zu sagen: WTF Dieburg!?

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